Stammtisch macht Schule – Gottlose bei den Projekttagen „Heilige Stätten“ in Offenbach

Auch in diesem Jahr beteiligten sich Mitglieder des Frankfurter Gottlosenstammtischs wieder an den Projekttagen „Heilige Stätten“, die jährlich von zwei Offenbacher Gymnasien organisiert werden.

Die Schülerinnen und Schüler besuchen zunächst Einrichtungen von Religionsgemeinschaften wie Kirchen, Moscheen und Synagogen. Danach laden das Leibniz-Gymnasium und die Albert-Schweitzer-Schule Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher philosophisch-religiöser Weltanschauungsgemeinschaften aus Offenbach und Umgebung zu einem Projekttag ein. Im Laufe eines Vormittags haben die Jugendlichen dabei Gelegenheit, verschiedene Weltanschauungen kennenzulernen und mit deren Experten ins Gespräch zu kommen.

Mit dabei waren unter anderem die Freimaurer, die Religion des Fliegenden Spaghetti-Monsters und die Schopenhauer-Gesellschaft sowie natürlich Vertreter der größten und kleineren Religionen. Johanna Steinbach und Andreas Grimsehl, beide langjährige Stammtischler und im Vorstand des HVD Frankfurt / Gießen, vertraten die Gottlosen, einmal in der agnostischen und einmal in der atheistischen Variante, und standen damit für die fast 50 Prozent der Deutschen, die sich dazu bekennen, nicht von der Existenz eines Gottes überzeugt zu sein.

In kleinen Gruppen wurde kontrovers, aber zugewandt diskutiert. Wie schon in den letzten Jahren wurde auch diesmal wieder deutlich, dass besonders religiöse Jugendliche viele Fragen zu den Themen Agnostizismus und Atheismus haben: Wie wird man eigentlich konfessionslos? Woher kommen moralisch Werte, wenn nicht aus religiösen Schriften? Wie gehen Nicht-Gläubige mit schwierigen Lebenssituationen um? Kann man ohne den Glauben an eine göttliche Instanz ein erfülltes, glückliches Leben führen? Welche Hinweise auf die Existenz eines Gottes und darauf, was Gott von uns will, gibt es? Welche Rolle spielt Wissenschaft bei der Suche nach Gott?

Bei dem Austausch ging es uns nicht darum, die jungen Menschen von der eigenen Position zu überzeugen. Vielmehr wollten wir zeigen, dass es möglich ist, sein Leben auch ohne religiösen Glauben sinnvoll zu gestalten und Gemeinschaft und Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen zu erfahren.

Zugleich zeigte sich deutlich – auch in anschließenden Gesprächen der Expertinnen und Experten untereinander – wie wichtig ein respektvolles Zusammenleben unterschiedlicher Weltanschauungen in einer kulturell diversen Gesellschaft ist. Denn auch, wenn wir in Deutschland diesbezüglich zunehmend Herausforderungen zu meistern haben, macht die Offenheit und Neugier der Jugendlichen Hoffnung auf eine Zukunft, in der religiöse und kulturelle Vielfalt tolerant und ohne Dominanz gelebt werden kann.