Die Kirchen im Rundfunkrat des hr

Der große Sendesaal des hr, in dessen Fenstern sich die gegenüberliegende Kirche spiegelt.

Fest in Gottes Hand:
Der Rundfunkrat des hr

Zu den Aufgaben des hr-Rundfunkrates (§§ 7 – 10 hr-Gesetzes) gehören unter anderem die Wahl des Intendanten sowie die Genehmigung des Haushaltes. Zudem trifft der Rundfunkrat die abschließende Entscheidung im Fall von Programmbeschwerden über den vorgesehenen Beschwerdeweg.

In der aktuellen Fassung des hr-Gesetzes (§ 5 (2)) ist die Zusammensetzung des Rundfunkrates festgelegt: Der größte Teil der insgesamt 32 Plätze geht an in der Regel völlig unbekannte Institutionen. So ist der Landesmusikrat ebenso vertreten wie das Freie Deutsche Hochstift. Bereits vor einigen Jahren titelte die FAZ zu dieser seltsamen Mischung: Nur die Selbsthilfegruppe Führerscheinentzug fehlt.

Und vier Mitglieder, also 12,5 % des Rundfunkrates, sind allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften in diesem Amt. Zurzeit sind dies:

Jörn Dulige, Vertreter der evangelischen Kirche (stellvertretender Vorsitz)

Herr Dulige ist hauptberuflich „Beauftragter der Evangelischen Kirchen in Hessen am Sitz der Landesregierung in Wiesbaden“ und zwar seit 1993. Diese Bezeichnung ist so wolkig, dass man sich fragt, für was er denn nun beauftragt worden ist. Dazu lohnt sich ein Blick in die Aufgaben des „Evangelischen Büros Hessen“. Dort ist zu lesen, dass der Oberkirchenrat Dulige „Verbindungen zur Landesregierung mit den dazugehörigen Ministerien und zum Hessischen Landtag pflegt“ und weiter: „Er hält Kontakt (…)“, „ist kirchlicher Interessenvertreter (…)“, „Beobachter des öffentlichen Lebens Hessens (…)“, „nimmt für die Kirchen Stellung (…)“ und so weiter und so weiter. Kurz gesagt: Herr Dulige ist Kirchenlobbyist und dies im hr-Rundfunkrat seit 1999.

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Dr. Beate Gilles, Vertreterin der katholischen Kirche

Frau Dr. Gilles ist für den Job im Rundfunkrat durch das Thema ihrer Dissertation bestens qualifiziert: „Durch das Auge der Kamera. Eine liturgie-theologische Untersuchung zur Übertragung von Gottesdiensten im Fernsehen“. Wir sind begeistert.

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Daniel Neumann, Vertreter des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden

Im Gegensatz zu den anderen Religionsvertretern im Rundfunkrat ist Herr Neumann nicht hauptberuflich mit Religion befasst. Er arbeitet als Rechtsanwalt in Frankfurt und engagiert sich vielfältig für ein friedliches Zusammenleben von Menschen in Deutschland.

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Khola Hübsch, Vertreterin der Muslimischen Glaubensgemeinschaften in Hessen

Frau Hübsch gehört der Ahmadiyya-Gemeinschaft an, einer Religions-gemeinschaft, die mit 45.000 Mitgliedern (0,05 % der Bevölkerung) Platz 26 in der Rangfolge der Religionen in Deutschland belegt. Platz 1 in dieser Statistik sind übrigens die Konfessionslosen mit 33.836.000 Menschen (40,7 % der Bevölkerung), sie sind im hr-Rundfunkrat nicht vertreten.

Khola Hübsch folgt auf Selçuk Doğruer vom DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion). Diese Organisation untersteht dem staatlichen Präsidium für religiöse Angelegenheiten der Türkei, das wiederum dem Präsidenten Erdogan direkt unterstellt ist. Seit September 2018 beschäftigt sich das Bundesamt für Verfassungsschutz mit dem DITIB.

Bemerkenswert ist, dass im Werdegang von Frau Hübsch auf der Rundfunkratsseite auch gleich noch der Hinweis auf ihr neues Buch enthalten ist: „Rebellion der Sehnsucht – Warum ich mir den Glauben nicht nehmen lasse“, den Werbeblock zahlt der Beitragszahler doch gerne mit …

Frau Hübsch muss sich ihren Glauben allerdings nicht nehmen lassen. Anders als beispielsweise in vielen islamisch dominierten Staaten, in denen Ahmadis bedroht, verfolgt oder getötet werden, herrscht in Deutschland Glaubensfreiheit. Da könnte sie sich mit der verbreiteten säkularen Einstellung vieler ihrer Mitbürger, die sie in ihrem Buch beklagt, eigentlich leicht abfinden.
Einige Äußerungen Frau Hübschs zu Ursachen islamistischen Terrors und die Forderung, den Blasphemie-Paragrafen zu verschärfen, sorgten teils für Befremden. Außerdem hinterlassen homophobe Äußerungen aus der Ahmadiyya Muslim Jamaat, der Frau Hübsch angehört, starke Zweifel an Toleranz und Offenheit dieser Glaubensrichtung.

Weitere Informationen zu Positionen der Glaubensgemeinschaft:

Islam – Antworten auf die Fragen unserer Zeit
(zum Umgang mit Andersdenkenden siehe Seite 89f)

„Liebe für alle, Hass für keinen“? Zu schön, um wahr zu sein

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Religiöse U-Boote im Rundfunkrat des hr

Häufig sind vor allem die christlichen Kirchen noch weitaus stärker vertreten als offiziell vorgesehen. Und zwar durch solche Mitglieder, die offiziell nicht-kirchliche Organisationen vertreten, aber gleichzeitig haupt- oder ehrenamtlich auf der Management-Ebene der Kirchen eingebunden sind. Noch vor knapp drei Jahren betrug der Anteil der Religionsvertreter insgesamt faktisch 25 %, heute liegt er bei rund 16 % – zum damaligen Zeitpunkt waren im Rundfunkrat des hr ebenfalls Mitglied:

Sigrid Isser, Vertreterin des LandesFrauenRats:

  • ab 1992 stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvermögensverwaltungsrats, Vertreterin im Diözesansteuerrat Mainz für das Dekanat Offenbach
  • ab 2007 Dekanatsratsvorsitzende Offenbach

Frau Isser ist nach wie vom Mitglied im Rundfunkrat, die Angaben zum kirchlichem Engagement fehlen mittlerweile im Werdegang. Nachzulesen sind die Angaben aber nach wie vor z.B. auf www.op-online

Angelika Kennel, Vertreterin
der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V.:

  • ab 1989 Mitarbeiterin des Caritasverbandes für die Diözese Limburg e.V.

Thorsten Schäfer-Gümbel, Vertreter des Landtags:

  • Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Karin Wolff, Vertreterin des Landtags:

  • 1992 bis 2010 Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau
  • ab 2010 Vorsitzende des Kuratoriums „Ehrenamtsakademie“ der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau

(Die Angaben zu den vier Personen beziehen sich auf Herbst 2018.)

Wieviele weitere Rundfunkräte eine mehr oder weniger große Kirchennähe pflegen, ist nicht immer zu ermitteln und grundsätzlich erstmal deren Privatsache. In einigen Fällen geht das ehrenamtliche Engagement allerdings so weit, dass beispielsweise im Beschwerdefall kaum eine unabhängige Entscheidung zu erwarten ist. Beispiel Simone Weinmann-Mang. Sie ist im Rundfunkrat Vertreterin der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände – und darüber hinaus das, was man als Vorzeigekatholikin bezeichnen darf: „In meinem Büro hängen keine Produktbilder, sondern Papstbilder“, mehr dazu im Beitrag Glaube als Glück in der Kirchenzeitung.

Da Frau Weinmann-Mang zusammen mit den Damen Hübsch und Isser auch dem Beschwerdeausschuss angehört, liegt der Anteil der religionsfreundlich gesinnten Mitglieder in diesem Gremium bei sage und schreibe 60 %.