Gottlos glücklich leben

Besuch des Kölner Dreigestirns im Erzbischöflichen Haus, in der Mitte Kardinal Woelki, der für den erkrankten Prinz Christian II. (Christian Krath) eingesprungen ist

Die Kirchen haben in Deutschland gut lachen: Von der Wiege bis zur Bahre gibt es nicht nur jede Menge Formulare, sondern auch die mehr oder wenige unfreiwillige Begleitung in allen Lebenslagen durch die Religionsgemeinschaften.

Zumeist ungefragt wird man als Säugling getauft – oder wenn man Pech hat, beschnitten – um dann Jahre später mit dem ersten Lohn zur Kasse gebeten zu werden. Im kirchlichen Kindergarten (den im Übrigen fast vollständig der Staat bezahlt, also auch die Menschen, die nicht in der Kirche sind) werden schon die Kleinsten mit Krippenspielen und Martinsumzug der ersten Indoktrination unterzogen. In der Schule dann muss man sich erst vom Religionsunterricht abmelden – was nicht immer ganz einfach ist – um nicht weiter auf staatliche Kosten missioniert zu werden.

Wer anschließend eine Karriere im Gesundheits- oder Bildungssektor oder im sozialen Bereich anstrebt, überlegt sich den Austritt aus der Kirche lieber zweimal, denn Caritas und Diakonie sind hier die größten Arbeitgeber. Je nach Region kann es da mit der Arbeitssuche schon mal schwieriger werden ohne Kirchenmitgliedschaft.

Aber auch im täglichen Leben wird man als Otto Normalbürger oder Ottilie Normalbürgerin von Kirchens nicht in Ruhe gelassen – angefangen bei der rechtskonformen Lärmbelästigung in Form des Glockengeläuts zu Unzeiten bis zum kirchlichen Lobbyismus in Medien und Politik (mehr zum hr, dem „Heiligen Rundfunk“). Denn Kirchen- oder Religionsvertreter gelten nach wie vor als Hüter der Moral. Und so sitzen sie allein wegen ihrer Position in den Religionsgemeinschaften in Rundfunkräten und Ethikräten und vertreten dort – von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt, aber dennoch äußerst publikumswirksam – ihre Moralvorstellungen.

Wer nun aus der Kirche austreten möchte, wird erstmal zur Kasse gebeten. Denn diesen Service übernimmt der Staat für die Kirchen – dafür kassiert er Geld, von den Kirchen und von den austretenden Bürger:innen. Damit ist die Kirche der einzige Verein in Deutschland, bei dem der Austritt Geld kostet. Und wenn zu viele auf einmal austreten wollen und es nicht genug Termine gibt, muss man halt warten. Und darf weiter Kirchensteuer abdrücken.

Und nicht zuletzt zahlen alle Bürger:innen seit mehr als 200 Jahren viel, sehr viel Geld an die Kirchen als „Wiedergutmachung“ für die Säkularisierung. Denn seit mehr als 100 Jahren weigert sich die Politik, die sogenannten Staatsleistungen endlich abzulösen, so wie es erst die Weimarer Reichsverfassung aus dem Jahre 1919 und jetzt unser Grundgesetz verlangt. Und so zahlen wir immer weiter, Jahr für Jahr, allein 2021 werden es wieder mehr als eine halbe Milliarde Euro sein. Der Teufel scheißt halt immer auf den größten Haufen …

Hier nun einige – hoffentlich – nützliche Informationen für ein gottlos glückliches Leben:

Kirchenaustritt in Hessen

Glockengeläut

Religionsunterricht

Staatsleistungen