Religionskritik mit dem Filzstift: Martin Perscheid im Caricatura Museum Frankfurt

Martin Perscheid war einer der bekanntesten deutschen Cartoonisten. Im Fokus seines oft rabenschwarzen Humors standen neben den menschlichen Schwächen vor allem auch abstruser Aberglauben und religiöser Fanatismus. Katholisch aufgewachsen wurde Perscheid später Atheist und säkularer Humanist, der sich unter anderem in der Giordano Bruno Stiftung engagierte, seit 2020 als Beirat in der gbs. Viele seiner religionskritischen Cartoons entstanden aus Rache für den Religionsunterricht. 

Fünf Jahre nach seinem Tod zeigt das Frankfurter Caricatura-Museum zu Perscheids 60. Geburtstag knapp 400 Werke aus seiner Cartoonserie „Perscheids Abgründe“. Bei einer Führung durch die Ausstellung, organisiert vom HVD Hessen, Ortsgruppe Frankfurt / Gießen, gab es dort neben bekannten auch viele weniger bekannte Cartoons und Skizzen zu sehen.

Dass humoristische Religionskritik nicht bei allen gut ankommt, zeigt ein besonderes Exponat: In einem Brief an den Verlag beschwert sich ein offensichtlich schwer beleidigter Christ über einen Cartoon auf dem Tagesblatt zum Karfreitag aus dem Kalender „365 gute Perscheid-Tage 2015“. Auf dem Blatt wird Jesus am Kreuz dargestellt, davor steht ein römischer Soldat, der die Arbeiter, die die Verurteilten ans Kreuz nageln, fragt: „Wer will ein Eis? Hand hoch?“. Aus Jesus’ grimmigen Miene ist ersichtlich, dass er vermutlich auch gern die Hand heben würde, aber leider …. „Unterste Schublade“ wäre das, der Kalender „gehöre in den Müll“, empört sich der Briefschreiber. Lustigerweise steht auf dem seinem Brief beigelegten Kalenderblatt, das ein paar Flecken aufweist: „Entschuldigung (rot unterstrichen, drei Ausrufezeichen), aber dieses Blatt war schon im Müll“. 

Was mal wieder zeigt: Über Religion macht man halt keine Witze. In einer Zeit, in der immer mehr Leute immer dünnhäutiger werden, ist eine solche Haltung leider immer öfter zu beobachten. Religiöse Gefühle sind offensichtlich sehr fragil und müssen bei Bedarf auch mal mit Gewalt verteidigt werden. Um so dringender brauchen wir Menschen wie Martin Perscheid, die genau beobachten und die Absurditäten der Religion gekonnt auf den Punkt bringen. Er fehlt sehr.

Caricatura Museum Frankfurt: „Das kann nur Perscheid“
Noch bis 7. Juni 2026