Warum besitzt und unterhält die Stadt Frankfurt acht Kirchen, die sie selbst nicht nutzen kann? Was ist an einem Kriminalfall in einem Hotel spirituell? Und kann man eigentlich auch ganz ohne Gott ein guter Mensch sein?

Antworten auf diese Fragen und viele weitere spannende Einblicke erhielten die knapp zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim ersten Säkular-Humanistischen Stadtspaziergang am 23. August. Unter dem Titel „Humanistische Wegmarken“ führten Mitglieder des HVD Hessen und des Frankfurter Gottlosenstammtischs über einen rund drei Kilometer langen Rundweg durch die Frankfurter Innenstadt. Es ging vorbei an symbolhaften Orten, die auf bis heute bestehende Privilegien von Religionsgemeinschaften oder auf die historische und aktuelle Benachteiligung von Nichtgläubigen aufmerksam machen. So wurde das Thema Staatsleistungen und finanzielle Privilegien der Kirchen erläutert anhand der Dreikönigskirche, eine von acht so genannten Dotationskirchen in Frankfurt. Und am Römer, 2011 Schauplatz eines Flashmobs gegen das Tanzverbot am Karfreitag, konnte man erfahren, dass das Hessische Feiertagsgesetz eines der strengsten in Deutschland ist.
In der Rubrik „Gut ohne Gott“ wurden außerdem Orte vorgestellt, die an Menschen erinnern, die sich aus humanistischer Überzeugung für Freiheit, Aufklärung, Wissenschaft, Demokratie oder soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben. Dazu gehörten das ehemalige Wohnhaus von Ludwig Landmann, Frankfurter Oberbürgermeister von 1924 bis 1933 sowie das wenig bekannte Denkmal des Nobelpreisträgers Otto Hahn, das an der Stelle seines Geburtshauses neben dem Eingang zur Kleinmarkthalle steht.

Trotz des leicht überzogenen Zeitplans blieben alle Spaziergänger bei entspanntem Sommerwetter bis zum Schluss dabei. Das Konzept des Rundgangs kam sehr gut an, und wir werden nach und nach weitere Stationen erstellen und den Rundgang auch virtuell auf der Webseite zur Verfügung stellen, denn Frankfurt hat definitiv einiges zu bieten in Sachen Humanismus.