Gut ohne Gott: Otto Hahn, Nobelpreisträger und Humanist

Otto Hahns Humanismus bezeichnet das tief verankerte ethische und moralische Verantwortungsbewusstsein des deutschen Nobelpreisträgers, das ihn nach der Entdeckung der Kernspaltung im Jahr 1938 zu einem der weltweit aktivsten Vorkämpfer für den Frieden und gegen nukleare Aufrüstung machte. Obwohl er als Pionier der Radiochemie die wissenschaftliche Grundlage für das Atomzeitalter schuf, verurteilte er den militärischen Missbrauch seiner Entdeckung zutiefst und widmete sein späteres Leben kompromisslos dem Schutz der Menschheit.

Der Ort

An der Südwestecke der Kleinmarkthalle befindet sich das Otto-Hahn-Denkmal. Es markiert den Standort seines im Zweiten Weltkrieg zerstörten Geburtshauses. Die bronzene Gedenktafel und Büste wurden 1978 vom Bildhauer Knud Knudsen enthüllt. Der Text der Gedenktafel lautet:

„Hier stand das Geburtshaus von Otto Hahn 8.3.1879 – 28.7.1968 Entdecker der Kernspaltung Nobelpreisträger Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main.“ 

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Otto Hahn arbeitete über 30 Jahre mit Lise Meitner, einer theoretischen Physikerin, zusammen. Als Jüdin verlor die Österreicherin Meitner nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 jeglichen Schutz. Als ihr die Verhaftung drohte, organisierte Hahn im Juli 1938 aktiv ihre illegale Flucht über die Niederlande nach Schweden. Im schwedischen Exil lieferte sie zusammen mit ihrem Neffen Otto Frisch im Januar 1939 die erste physikalische Erklärung der Kernspaltung.

Otto Hahn und Lise Meitner, 1958
  • Demonstrative Zusammenarbeit mit der Jüdin Lise Meitner auch in der NS-Zeit ◦ Einsatz für Juden
    ◦ Engagement gegen Krieg
    ◦ Ablehung jeder Vereinnahmung durch totalitäte Idee
  • Folgen:
    ◦ ZahlreicheinternationaleAuszeichnungen,Nobelpreis
    ◦ großerpolitischerEinfluss,AuslandsreisenimAuftragderBundesregierung
    ◦ zeitweise als Bundespräsident als Nachfolger von Theodor Heuss im Gespräch

Otto Hahn Humanismus

Hahn beschrieb sich darin selbst als Agnostiker und betonte mehrfach, dass er mit den Dogmen der verfassten Kirche nichts anfangen könne. Er vertrat die Ansicht, dass die Existenz Gottes oder höherer Mächte rational weder bewiesen noch widerlegt werden könne. Er konzentrierte sich ganz auf das weltliche, naturwissenschaftlich Erfassbare. Statt religiöser Gebote leitete ihn ein tiefes persönliches Gewissen. Seine Maxime war die „Ehrfurcht vor dem Menschenleben“ und das Mitgefühl gegenüber den Mitmenschen, frei von religiösen Dogmen. Er legte großen Wert darauf, dass seine moralischen Entscheidungen – wie seine Friedensarbeit oder die Hilfe für jüdische Kollegen – rein humanitärer Natur waren und keine religiöse Motivation besaßen.

Zu Station 9 – Kaiserdom St. Bartholomäus und die Trennung von Staat und Kirche

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