Während seiner Frankfurter Zeit veröffentlichte Wilhelm Busch drei antiklerikale Bildergeschichten, welche die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft fanden und zu einer Anklage seines Verlegers führten. Damit reiht er sich ein in eine lange Liste von Satirikern, die sich den Unmut der Religionen zugezogen haben – vorläufiger Höhepunkt der Angriff auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“.
Der Ort
Das Frankfurter Caricatura Museum, Weckmarkt 16/17 ist bekannt dafür, Grenzen auszuloten. Das Thema „Blasphemie“ (Gotteslästerung) ist dort besonders durch Werke der „Neuen Frankfurter Schule“ sowie durch internationale Satiriker wie Gerhard Haderer präsent. Seine Arbeiten führten wegen religionskritischer Karikaturen international teils zu drastischen Reaktionen.
Wilhelm Busch in Frankfurt

Wilhelm Busch kam erstmals im Juni 1867 nach Frankfurt am Main, wo sein jüngerer Bruder Otto als Hauslehrer bei der wohlhabenden Bankiers- und Industriellenfamilie Keßler arbeitete. Frau Kessler förderte Buschs Malerei.
Während seines Aufenthalts in Frankfurt wurde Busch durch seinen Bruder Otto mit der Philosophie Arthur Schopenhauers bekannt gemacht, die einen prägenden Einfluss auf sein Denken und sein schriftstellerisches Werk ausübte.
In die Frankfurter Jahre fällt die Veröffentlichung von drei in sich geschlossenen Bildergeschichten, die teilweise oder ganz von Buschs antiklerikaler Einstellung bestimmt waren und in Deutschland vor dem Hintergrund des Kulturkampfs schnell weite Verbreitung fanden: „Der heilige Antonius von Padua“, „Die fromme Helene“, „Pater Filucius“.
Buschs „blasphemische“ Werke
Der Heilige Antonius von Padua (1871)
Der protestantisch erzogene Wilhelm Busch zweifelte an dem Begriff der Heiligkeit, die in Buschs pessimistischem Menschenbild nicht möglich war. Entsprechend wandte sich Wilhelm Busch mit dieser Bildsatire gegen das Heiligenbild der katholischen Kirche.

„Der heilige Antonius von Padua“ erschien, als Pius IX. im 1. Vatikanischen Konzil das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit verkündete, an dem sich die protestantische Welt außerordentlich rieb.Die Bildergeschichte wurde im Verlag Moritz Schauenburg veröffentlicht, in dem unter anderem auch Kommersbücher mit Liedern der Burschenschaften erschienen, die sich für ein einiges und freies Deutschland einsetzten. Die Veröffentlichungen des Verlags wurden deshalb besonders streng von der Zensur überwacht. „Der heilige Antonius von Padua“ wurde beschlagnahmt. Am 8. Juli 1870 klagte die Staatsanwaltschaft in Offenburg den Verleger Moritz Schauenburg wegen „Herabwürdigung der Religion und Erregung öffentlichen Ärgernisses durch unzüchtige Schriften“ an, eine Anklage, die Wilhelm Busch sehr traf. Doch am 27. März 1871 sprach das Gericht in Offenburg den Verleger frei. In Österreich hingegen blieb das Werk bis 1902 verboten.
Die fromme Helene (1872)

Moritz Schauenburg lehnte die Veröffentlichung der nächsten, teils antiklerikal geprägten Bildergeschichte Wilhelm Buschs ab. „Die Fromme Helene“, eine satirische Darstellung katholischer Doppelmoral in Gestalt der vermeintlich frommen Helene und ihres Geliebten, erschien deshalb im Bassermann Verlag, der von Wilhelm Buschs langjährigem Freund Otto Friedrich Bassermann geleitet wurde. Anders als beim heiligen Antonius kam es hier zu keiner Anklage.
Pater Filucius (1872)

„Pater Fllucius“, eine antiklerikale Satire, erschien ebenfalls 1872 im Bassermann Verlag. Sie entstand zur Zeit des deutschen Kulturkampfes und richtete sich gezielt gegen den Jesuitenorden sowie religiöse Heuchelei. Es war die einflussreichste und erfolgreichste Satire Buschs, die bis 1894 eine Auflage von 39.000 Exemplaren erreichte.
„Man versteht diese allegorische Darstellung der kirchlichen Bewegung, welche sich im Anfang der 70er Jahre abspielte, wenn man für Gottlieb Michael den deutschen Michel, für Tante Petrine die römische, Pauline die evangelische Kirche setzt; die Base Angelika ist dann die freie Staatskirche der Zukunft. Der Jesuit Filucius führt den Hund Schrupp, die demokratische Presse, ein und sucht mit seinen Helfershelfern, der Internationalen und den Franzosen, den Haushalt zu stören; dagegen ruft Michel Hiebel den Wehr-, Fibel den Lehr- und Bullerstiebel den Nährstand zu Hilfe, mit deren Unterstützung er auch die ganze unsaubere Wirthschaft zum Fenster hinauswirft.“ (W.Busch)
Begleitmaterial
laminierte Auszüge kritischer Szenen aus den drei Werken
Weiterführende Quellen
de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch
