Ludwig Landmann – Humanismus ohne Religion

Der Ort

Ludwig Landmann, Bürgermeister der Stadt Frankfurt von 1924 bis 1933, wohnte in diesem Haus am Schaumainkai 7 in Frankfurt-Sachsenhausen während seiner gesamten Frankfurter Zeit (1917-33). 1998 wurde am Haus von Oberbürgermeisterin Petra Roth eine Gedenktafel angebracht.

Ludwig Landmanns Humanismus

Ludwig Landmann verkörperte einen sozialliberalen Humanismus. Das neue Frankfurt, ein wegweisendes Siedlungs- und Wohnungsbauprogramm, basierte auf der humanistischen Idee, dass gesunder, funktionaler Wohnraum eine Grundvoraussetzung für die freie Entfaltung des Menschen ist. Und er traf weitsichtige Entscheidungen: Seine Erkenntnis der zukünftigen Bedeutung des Luftverkehrs und der Autobahnen hat wesentlich dazu beigetragen, dass Frankfurt zum Verkehrsknotenpunkt Deutschlands wurde.

Lebenslauf

  • Landmann wird am18.Mai 1868 in Mannheim geboren.
  • Ca. 1917 tritt er aus der jüdischen Gemeinde aus und wird konfessionslos. Sein Austritt und sein säkulares Judentum sind auch auf sein liberales und aufgeklärtes Denken zurückzuführen, aber auch auf seine tiefe Überzeugung, dass die deutsch-jüdische Symbiose alle Glaubensauseinandersetzungen überwunden hat.
  • Landmann erlässt Mannheim, um zunächst Stadtrat in Frankfurt zu werden. 
  • Am 26.10.1916 wird er mit 40 von 51 Stimmen zum Dezernenten für Wirtschaft, Verkehr und Wohnungswesen gewählt.
  • 1919 wird er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). 
  • Am 2.10.1924 wird Landmann zum Oberbürgermeister gewählt.
  • 2025 holt Landmann Ernst May als Stadtbaudezernenten nach Frankfurt, unter dessen Leitung entstehen binnen dreier Jahre mehr als 8.000 Wohnungen. Sie sind der sichtbare Ausdruck des von Landmann programmatisch geforderten„Neuem Frankfurt“.
  • Landmann setzt sich auch für Kultur ein. Bildungsstätten, Kultureinrichtungen, Sportanlagen und sinnvolle Freizeitgestaltung sind für ihn Produktivfaktoren einer Gesellschaft.
  • Nach der Kommunalwahl im März 1933 vertreiben die Nationalsozialisten Landmann aus seinem Amt. Angesichts des SA-Terrors raten ihm Freunde zur Versetzung in den Ruhestand, um die er am 11. März nachsucht.
  • 1939 kurz vor Kriegsbeginn verlässt Landmann, nach Entrichtung der „Reichsfluchtsteuer“ ausgeplündert und nahezu mittellos, Deutschland. In der niederländischen Heimat seiner Frau findet er Zuflucht. Als nach dem deutschen Einmarsch im Mai 1940 mehrfach die Deportation drohte, verbergen ihn Freunde und Nachbarn. 
  • Kurz vor Kriegsende stirbt Ludwig Landmann am 5.3.1945 an Herzmuskelschwäche und Unterernährung im niederländischen Voorburg.
  • Im Sommer 1987 werden Landmanns sterbliche Überreste auf Magistratsbeschluss in ein Ehrengrab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof (Gewann A 290) überführt.

Das Erbe Ludwig Landmanns

In Landmanns Amtszeit sind mehr als 10.000 Wohnungen entstanden, lichtdurchflutet, zentral beheizt und kostengünstig durch modulare Bauweise, außerdem das Waldstadion und die Großmarkthalle. Mit seinem „Neuen Frankfurt“ prägte er bis heute das Frankfurter Stadtbild. Sein Wirken als Oberbürgermeister dauerte nicht einmal 10 Jahre und zeigt, wieviel ein einzelner Mensch bewirken kann.

Sein humanistisches Erbe wird heute durch den Ludwig-Landmann-Preis für Mut und Haltung gewürdigt. Dieser Preis wird alle zwei Jahre von der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch Zivilcourage und den Einsatz für demokratische Werte auszeichnen. 2025 wurde die Historikerin Irina Scherbakowa, Putin-Kritikerin und Gründerin der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ ausgezeichnet.

Interessant ist hier, wie Landmann heute von der jüdischen Gemeinde vereinnahmt wird. Sein Biograph Sternberg meint: Die Bezeichnung „der erste jüdische Bürgermeister“ hätte Landmann als überflüssig abgelehnt.

Material zum Herumreichen

Quellen

Frankfurter Personenlexikon: Ludwig Landmann

Website Das Neue Frankfurt