Verstöße gegen das hr-Gesetz: einseitige Darstellung

Die Hand Gottes

Sie hat nicht nur angeblich einen Ball bei der Fußball-WM 1986 in ein Tor gelenkt und damit der argentinischen Mannschaft ein irreguläres Tor beschert, sondern sie ist wohl auch oft beim hr redaktionell hilfreich. Denn bei vielen Beträgen bleibt die Neutralität des gebührenfinanzierten Rundfunks gegenüber den Religionskonzernen auf der Strecke. Obwohl es doch doch im hr-Gesetz §3 heißt:

„Der Rundfunk ist Sache der Allgemeinheit. Er wird in voller Unabhängigkeit überparteilich betrieben und ist von jeder Beeinflussung freizuhalten. (…)  Nachrichten und Stellungnahmen dazu sind deutlich von einander zu trennen.“ 

Die tun nichts, die wollen doch nur missionieren

hr_sternsinger

29.12.2015: „Hinter den Sternsingern steht eine moderne Hilfsorganisation. Sie setzt sich für Kinder in Entwicklungsländern ein“, so erfahren wir in der Anmoderation zum Beitrag über die Sternsingeraktion 2016 in der hessenschau. Und Klaus Krämer, vom Kindermissionswerk Aachen, informiert, dass ein „Schwerpunkt bei Bildungsprojekten“ sowie bei der Unterstützung von Straßen- und Flüchtlingskindern liegen soll.

Missionswerk und Bildungspolitik, fragt da mal einer nach wie das zusammenhängt? Beim hr-Fernsehen garantiert nicht, da kann sich die Kirche sicher sein. Die kostenlose PR für eine Finanzbeschaffungsaktion zur Missionierung schwarzer Schäfchen wird durch keinerlei kritische Nachfrage gestört. Niemand will wissen, was in der Vergangenheit mit den regelmäßig hohen zweistelligen Millionenbeträgen passiert ist, die die kostenlosen Helfer gutgläubig zusammenschnorren.

Allerdings wäre im Internetzeitalter der Weg zur Wahrheit selbst für den Redaktionspraktikanten nicht sehr weit: Der Träger der Sternsingeraktion ist unter anderem das sogenannte Kindermissionswerk. Dessen Arbeit ist ganz eindeutig missionarisch ausgerichtet, nachzulesen in der Ordnung der Deutschen Bischofskonferenz für die Aktion Dreikönigssingen, § 2:
„Dieser Dienst umfasst die Verkündigung des Evangeliums, das missionarische Zeugnis und den Einsatz für die weltweite Entwicklung, Gerechtigkeit und Solidarität. Die Aktion leistet die dazu notwendige pastorale Bildungsarbeit in unserem Land.“

Viele Menschen, die nicht für die Sternsingeraktion spenden, haben also mutmaßlich gute Gründe für ihr Verhalten und engagieren sich vielleicht weltanschauungsneutral für humanitäre oder soziale Zwecke anstatt die Missionierungstätigkeiten der katholischen Kirche zu unterstützen. Etwaigen Kritikern nimmt die Kirche zusammen mit ihren Mikrofonhaltern vom hr schon mal profilaktisch den Wind aus den Segeln: In dem Beitrag werden Menschen, die für diese Aktion nicht spenden wollen, als unfreundliche und unsolidarische Menschen hingestellt (Aussagen eines der interviewten Kinder).
Anstatt die pauschal als unsolidarisch Diffamierten selbst zu Wort kommen zu lassen, betreibt der hr mal wieder die übliche unkritische Kirchenwohlfühlberichterstattung, die für einen öffentlich-rechtlichen Sender, der von „Spendengeldern“ aller Bürger finanziert wird, nicht angemessen ist.

Übrigens: Es steht zu befürchten, dass mit dieser kostenlosen Werbung für eine Finanzierung religiöser Missionierung anderen spendensammelnden Organisationen Nachteile für ihre Arbeit entstehen (beim „Spenden-TÜV“ DZI sind weit über 10.000 solcher Organisationen als spendenwürdig gelistet). Der hr muss sich fragen lassen, warum nicht auch die Spendenaktionen anderer Organisationen – z.B. den Briefmarathon von amnesty international vorgestellt wird? Immerhin hat diese Organisation im Gegensatz zur katholischen Kirche schon einmal den Friedensnobelpreis erhalten und legt ihre Finanzen offen. Ein entsprechende Frage an die Redaktion blieb bis heute unbeantwortet

www.hessenschau.de/tv-sendung/video-9308.html, 0:35 bis 3:34

Sternsinger zum zweiten

05.01.2016 Sternsinger suchen auch das Bundeskanzleramt heim, wie uns die Hessenschau immerhin noch mal im Nachrichtenblock verkündet. Natürlich wird auch hier angeblich für notleidende Kinder gesammelt. Allerdings gibt selbst das Kindermissionswerk in seinem Jahresbericht offiziell zu, „dass 10 Prozent der Projekte pastoral ausgerichtet sind“.
Bemerkenswert ist die Flexibilität des Missionswerkes: Stand noch eine Woche zuvor die Bildungspolitik im Mittelpunkt der Aktion, waren es im heutigen Bericht die Ureinwohner Boliviens.
https://www.hessenschau.de/tv-sendung/video-9544.html, 23:49 bis 24:25

Und zum dritten

06.01.2017 Wir wollen Sie nicht langweilen: hessenschau…Jubelbericht Sternsinger…“für die Opfer des Klimawandels in Kenia …engagieren … damit es Kindern besser geht …“ sowie weitere aktuelle Keywords, um das Spendenergebnis zu optimieren, sind heute in der hessenschau zu sehen. Was die Aktion, wie in der Anmoderation versprochen, mit Klimawandel zu hat, wurde bis zum Ende des Beitrages nicht wirklich klar. Aber wie jeder Werber weiß: Mit Kindern oder niedlichen Tieren in einem Beitrag man einfach nichts falsch machen.
https://www.hessenschau.de/tv-sendung/video-26778.html, 9:49 bis 13:19

Der „unbequeme“ Luther – kein Stoff für den hr

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31.10.2017 „Soll der Reformationstag – 2017 ausnahmensweise Feiertag – in Hessen genereller Feiertag werden“ fragt die hessenschau in einem Beitrag? Dies fragt sonst niemand und es gibt auch keinen Grund dazu. Dennoch lässt es sich die Redaktion nicht nehmen, ausschließlich zustimmende Bürgerstatements einzuholen und den Präsidenten der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau Jung zu befragen, der diese Idee zu unserer aller Überraschung befürwortet. Wer im Falle eines dauerhaften Feiertages vielleicht um die Umsätze des Einzelhandels fürchtet, den beruhigt dann noch Kirchenlobbyist und -dezernent der Stadt Frankfurt, Uwe Becker, dass dies sicher keine Problem wäre wie man in Bayern sähe.

Nun gäbe es zu Luther sicher noch einiges anzumerken, dass ihn als Feieranlass eher fragwürdig erscheinen lässt. So waren Luthers („der unbequeme Theologieprofessor“ [Anmoderation]) menschenverachtende Positionen zur Rolle von Frauen bis hin zur Befürwortung von Hexenverbrennungen ebenso durchgängige Überzeugungen wie sein Antisemitismus und nicht etwa eine vorübergehende Phase oder aus dem Zusammenhang gerissene Zitate. Sein Buch „Die Juden und ihre Lügen“ endet mit einem Sieben-Punkte-Programm zur Enteignung, Vertreibung und Vernichtung von Juden. Das Buch war übrigens auch im Besitz von Julius Streicher und wurde 1946 im Verfahren gegen ihn als Beweismittel für seine Judenfeindlichkeit vorgelegt. Das alles ist jedoch kein Stoff für die hessenschau – Hauptsache, es gibt einen freien Tag für alle und drei Minuten Sendezeit sind kirchenfreundlich gefüllt.

www.hessenschau.de/tv-sendung/video-46144.html 0:34 bis 4:11

Islamischer Religionsunterricht mit DITIB

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23.01.2016 In der Rubrik „Weitergedreht“ zeigt die Hessenschau einen völlig einseitigen Werbebeitrag zum Islamunterricht. Einige Zitate aus dem Beitrag:

  • „Es ist ein ganz normaler Religionsunterricht“
  • „Die Kinder werden langsam an die Religion und die Glaubensinhalte herangeführt.“
  • „Kinder werden langsam herangeführt und gefestigt.“
  • Die Lehrerin Nurtum Jetkinek will „ihre Schüler zu mündigen Gläubigen machen.“ – Was immer das sein mag …
  • Die Schüler der 2.(!) Klasse zeigen sich begeistert, weil sie „basteln“ und „malen“ können. Kritischen Fragen und Ängsten der Schüler wird „mit genügend Zeit und Raum begegnet“. Was ja wohl so viel heißt: Ein Entkommen aus dieser Missionierung gibt es für die Kleinen nicht.

Zum Religionsunterricht an sich lässt der Beitrag nur eine Meinung zu und speziell der mehr als fragwürdige DITIB (er ist neben der Ahmadiyya-Gemeinde der zweite Träger des Islam-Unterrichts) muss keinerlei Fragen zu seiner Rolle als Kriegsverherrlicher und verlängerter Arm der türkischen Regierung befürchten
www.hessenschau.de/tv-sendung/video-10254.html, 16:57 bis 22:07

Kirchenvertreter im hr-Rundfunkrat

Kirche im hr-Programm

Verstöße gegen das hr-Gesetz: fehlende Relevanz

Verstöße gegen das hr-Gesetz: direkte Beeinflussung

Verstöße gegen das hr-Gesetz: Bruder Paulus Spezial