Kirche im hr-Programm

Kirchenfunk unterm Deckmantel des Journalismus

Im hr-Gesetz § 3 heißt es: Die folgenden Grundsätze sind für die Darbietungen verbindlich: 1. Der Rundfunk ist Sache der Allgemeinheit. Er wird in voller Unabhängigkeit überparteilich betrieben und ist von jeder Beeinflussung freizuhalten. Für die Kirchen scheint das jedoch nicht zu gelten, denn de facto gibt es keine klare Trennung zwischen Verkündigungssendungen, dem Programm der Kirchenredaktion und dem allgemeinem Programm, weder personell noch inhaltlich. Die Folgen sind gravierend:

  • Es werden viel mehr Programminhalte der Kirchen gesendet und öffentlich-rechtlich finanziert als den Kirchen laut hr-Gesetz auf den dafür vorgesehenen Sendeplätzen zugesichert wird.
  • So entstehen zwangsläufig Interessenskonflikte, wenn Redakteure, die auch im Namen der Kirche als Theologen arbeiten, oder kirchennahe Personen über Missstände in den Kirchen berichten sollen. Eine unabhängige Berichterstattung – wie im hr-Gesetz vorgesehen – ist so kaum möglich.
  • Für die Zuschauer ist nicht immer erkennbar, welche Inhalte von der Kirche kommen und welche von einer unabhängigen Redaktion. So können die Kirchen ihnen genehme Inhalte als redaktionelle Beiträge tarnen.

Beispiele für Verstöße gegen das hr-Gesetz: fehlende Relevanz

Die hr-Kirchenredaktion – zwei Köpfe mit vier Hüten

Die Redaktion „Religion und Kirche“ des hr besteht aus den Herren Klaus Hofmeister und Dr. Lothar Bauerochse. Die Kirchenredaktion macht Sendungen für die Kirche. Genauer gesagt: Sie stellt Themen aus Sicht der Kirchen dar. Dieselbe Redaktion soll aber auch redaktionell über die Kirche berichten – journalistische Unabhängigkeit sieht sicher anders aus. 

Beide Kirchenredakteure haben einen theologischen Hintergrund, unter anderem nachzulesen auf amazon, wo sie ein gemeinsames Buch vertreiben. Das ist in etwa so, als würde man das Politik-Ressort des hr mit einem Regierungssprecher oder dem Generalsekretär einer Partei besetzen. 

Kreuz-in-Nittel

Kirche im Programm: Irgendwie kommt man nur schwer an ihr vorbei

Externe Autoren – die Mehrzweckwaffen der Kirchen

Neben diesen beiden Redakteuren finden sich viele weitere Autoren, die für den hr Sendungen gestalten. Die Kirchen prahlen regelrecht damit, wieviele Autoren aus ihren Reihen für den hr tätig sind: aktuell 55 evangelische (Quelle: www.rundfunk-evangelisch.de/autoren) und „nur noch“ 6 katholische Autoren. Bis Oktober 2017 wurde auf https://hr.bistumlimburg.de/autorinnen-autoren.html noch die Zahl von 59 Autoren genannt, allerdings ist diese Seite nicht (mehr) aktiv.

Diese Autoren sind eigentlich nur für den Einsatz auf Kirchensendeplätzen vorgesehen. Aaaaber: Im redaktionellen Programm, wo ja die Herren Bauerochse und Hofmeister als ganz „normale“ Moderatoren auch noch tätig sind, lassen sich solche kirchenfreundlichen Autoren prima als Studiogäste und Interviewpartner einsetzen, man kennt sich ja schließlich. Und genau das ist gängige Praxis beim hr. So ist die Kirche schwuppdiwupp wieder da präsent, wo eigentlich unabhängiges Programm sein sollte – eine Mogelpackung mit journalistischem Segen von ganz oben.

Religiöse Sendungen – wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?

Die hr-Kirchenredaktion listet auf ihrer Webseite drei Rubriken von Sendungen auf, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen:

  • Spiritualität und Lebensfragen:
    Hier gibt es auf sieben Sendeplätzen 324 Sendungen pro Jahr. Hinzu kommen einige Gespräche am Feiertag, die an Feiertagen ausgestrahlt werden.
  • Verkündigungssendungen der Kirchen
    Auf ebenfalls sieben Sendeplätzen werden jährlich 1508 Sendungen angeboten.
  • Gottesdienst-Übertragungen.
    Rund 15 Sendungen werden an christlichen Feiertage auf zwei Sendeplätzen ausgestrahlt.

Fazit: Der hr bietet ein christliches Grundversorgungspaket von rund 1850 Sendungen pro Jahr. Dies entspricht 35,6 Beiträgen pro Woche oder 5,1 Sendungen pro Tag. Dieses Paket erhalten alle Haushalte gegen GEZ-Gebühr unaufgefordert und unausweichlich und zwar auch die 41% der Hessen, die keiner oder keiner christlichen Glaubensgemeinschaft angehören. Interessant wäre vor diesem Hintergrund:

  • Wer gestaltet die Sendungen nach welchen Vorgaben und wer zahlt die Produktionskosten?
  • Wer kontrolliert letztlich die Inhalte der religiösen Sendungen und von wem werden diese Autoren bezahlt?
  • Wie wird die Unabhängigkeit des hr gegenüber den Kirchen angesichts dieser personellen und thematischen Sachlage gewährleistet?

Wir haben den hr dazu um Stellungnahme gebeten, leider wurden diese Fragen trotz mehrfacher Aufforderung nicht beantwortet.

Der Mix macht’s – Verquickung von Religion und allgemeinen Themen

Im redaktionellen Teil des Kirchenfunks werden häufig allgemeine Themen mit religiösen und innerkirchlichen Themen auf fragwürdige Weise vermischt: Beispiel hr1, Start in den Sonntagmorgen, Zitat von der hr-Webseite:
Der Sonntagmorgen in hr1 bietet Raum für die Fragen, die das Leben stellt: Die Suche nach Glück, gelingende Beziehungen, Umgang mit Krisen, sinnvoll leben und im Glauben Halt finden.

Was haben Beziehungen, Krisen etc. mit Glauben zu tun? Ethische Fragen oder Lebenshilfe sind nicht zwangsläufig religiöse Themen – auch wenn religiöse Menschen das anders sehen mögen. Ihnen steht es frei, sich diesbezüglich in ihrer Religionsgemeinschaft Rat zu holen, sich dort zu engagieren etc. Der öffentliche-rechtliche Rundfunk aber hat hier mit Blick auf fast 30 Millionen Konfessionsfreie und deren Finanzierungsanteil an dieser Form des Rundfunks konfessionelle Neutralität zu wahren – so wie im hr-Gesetz gefordert.

 

Kirchenvertreter im hr-Rundfunkrat

Verstöße gegen das hr-Gesetz: fehlende Relevanz

Verstöße gegen das hr-Gesetz: einseitige Darstellung

Verstöße gegen das hr-Gesetz: direkte Beeinflussung

Verstöße gegen das hr-Gesetz: Bruder Paulus Spezial