Gute Aussichten für Religionsfreie

In zwei Tagen schreiben wir das Jahr 2020, aber politisch ist Deutschland noch immer eine Kirchenrepublik wie in den 50-Jahren des letzten Jahrhunderts. Mandatsträger*innen nahezu aller Parteien sind kirchlich engagiert, in Rundfunkräten und der Ethikkommission sind Vertreter*innen der Kirchen nicht nur offiziell aktiv, sondern auch als „U-Boote“ unter fremder Flagge präsent und über die Medien tun Vertreter*innen aller Religionen laufend ihre Meinung zu allen möglichen Themen kund – ganz so als hätte sich in den letzten 50 Jahren in Sachen Religion nichts geändert in der Gesellschaft. 

torte2018_5Hat sich aber. Tatsächlich gibt es bereits seit einiger Zeit beim Thema Religion eine mehr als deutliche Abstimmung mit den Füßen. Jahr für Jahr sinken die Mitgliederzahlen der beiden christlichen Kirchen und die Zahl der Konfessionslosen steigt – trotz Zwangsmitgliedschaft durch Kindertaufe und staatlich sanktionierter Indoktrination namens Religionsunterricht. Mittlerweile (Stand 21.12.2018) sind 37,8 Prozent der Bundesdeutschen konfessionslos, das sind 31,4 Millionen Menschen. Nur noch 25,5 Prozent aller Deutschen sind Mitglied in der evangelischen Kirche, 27,7 Prozent sind es bei der römisch-katholischen Kirche. Beide christliche Kirchen sind jeweils um 0,5 Prozent geschrumpft auf zusammen 53,2 Prozent. Die Gruppe der Konfessionslosen ist seit 2017 um 0,8 Prozent gewachsen. Erweitert man den Blick auf die letzten vier Jahre, so ist die Zahl der Kirchenmitglieder seit 2015 um insgesamt 2,8 Prozent zurückgegangen, während die Konfessionslosen um 1,8 Prozent zugelegt haben. Die Zahl der konfessionsgebundenen Muslime stieg im selben Zeitraum von 4,4 auf 5,1 Prozent. 

Projiziert man diese Entwicklung weiter in die Zukunft, ist voraussichtlich spätestens 2025 weniger als die Hälfte der Bundesbürger*innen noch Mitglied in einer der beiden christlichen Kirchen, während mehr als 40 Prozent konfessionsfrei sind. Es ist also absehbar, wenn Kirchenvertreter*innen sich nicht mehr auf die Mehrheit der Bevölkerung berufen können. Spannender hingegen ist die Frage, wann die ersten Politiker*innen merken, dass Kirchenhörigkeit nicht automatisch Wählerstimmen bringt …

In diesem Sinne wünschen wir ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2020!

Zum Nachlesen:
https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-2018
https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-deutschland-2017