Der hr-Newsletter für Religion und Kirche

Religion ist überall – man muss nur richtig suchen

Hat man in pseudoredaktionellen Beiträgen, die mit Religion gefüllt sind, meistens noch ein Mindestmaß an redaktionellem Schamgefühl, so fallen im Newsletter der Kirchenredaktion alle Hemmungen. Offenbar in der Überzeugung, bei den Newsletter-Abonnenten ein Heimspiel zu haben, kommt vor allem das Vorwort mit der Wucht einer mittelalterlichen Teufelsaustreibung daher – tatsächlich wirkt der alle zwei Wochen erscheinende Newsletter mehr als ein Kirchen-Newsletter mit Programmhinweisen und weniger als ein Newsletter eines gebührenfinanzierten öffentlichen Rundfunks mit thematischen Schwerpunkt. Doch genau das ist er eigentlich, erkennbar am Impressum: Dort steht als Verantwortlicher Dr. Manfred Krupp, seines Zeichens Intendant des hr.

Im hr-Kirche-Newsletter setzt sich verschärft fort, was sich in den Programmen schon andeutet: Jedes noch so abwegige Thema wird ohne jede Hemmung religiös besetzt. Hier unkommentiert einige schwerspirituelle Kostproben aus vergangenen Ausgaben:

  • Visionssuche beim Waldbaden – Religiöse Wiederentdeckung des Waldes: Kirchliche Männergruppen machen sich auf zur Visionssuche in den Wald, um – mit entsprechend ausgebildeten ‚Visionssuchern‘ – die Lebensgeister der Natur zu erspüren und das Geheimnis des Waldes zu entdecken. (24.08.2018)
  • Spirituelles Bergwandern in den Dolomiten (07.09.2018)
  • Spirituelle Auswege aus der Klimakrise (19.10.2018)
  • Einmal im Jahr (…) feiern wir die Wiederverzauberung der Welt in ein Paradies aus Geheimnis und Glanz, dann halten wir dem Wunder die Hand hin und lassen uns wieder von Engeln verzaubern. (30.11.2018)

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Eine besonders Rolle scheint im Newsletter das Thema Beschallung zu spielen: (…) eine natürliche Stille ist wie eine Heilsalbe für die Seele. Die Ruhe macht die Haut meiner Seele weich wie ein langes Bad im warmen Wasser. Die Frankfurter „Woche der Stille“, die am Montag beginnt, sucht im Lärmalltag einer Großstadt die Oasen der Stille. Und sie fragt: Wo finde ich die innere Ruhe, um mit dem Stadtlärm besser umzugehen? Stille und innere Ruhe sind wahre Kostbarkeiten unserer Zeit., lässt uns am 07.09.2018 Kirchenredakeur Klaus Hofmeister wissen.

Zwei Wochen später fand sich in der nächsten Ausgabe des Newsletter allerdings eine ganz andere Meinung zum Thema Stille, diesmal vom Kirchenredakteurskollegen Lothar Bauerochse: Im Sommerurlaub lag unsere Ferienwohnung vielleicht 100 Meter Luftlinie entfernt von der Kirche in einem kleinen kroatischen Bergdorf. Die Glocken der Kirche läuteten alle halbe Stunde, auch nachts. Und jeden Morgen um sechs hob ein großes Geläut an. An Ausschlafen war da nicht zu denken. Trotzdem mochte ich die Kirche mit ihren Glocken.

Mal abgesehen davon, dass der letzte Satz irgendwie bemüht klingt – ein gemeinsamer Urlaub der beiden Kirchenredakteure scheint vor diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich.

Und während noch zwei Wochen zuvor die Kirchen zur Woche der Stille aufriefen, wird den Lesern im Newsletter vom 21.09.2018 angedroht: Am heutigen Freitag erinnern die Glocken überall im Land daran, dass der Frieden in der Welt das Gebet und die Tatkraft der Menschen braucht. Europaweit werden sie heute um 18 Uhr eine viertel Stunde lang für den Frieden läuten. Möge ihr Klang an möglichst viele Ohren dringen.

Wer noch mehr Frieden möchte, für den steht, ein Rundfunkgebühren-finanziertes Bimmelarchiv bereit: Im Archiv des hr lagern fast 1.500 Glockenaudios, die meisten davon aus Hessen. Einen Teil dieses Schatzes haben wir gehoben und im Internet zum Anhören bereitgestellt. (06.04.2018).

Wer sich selbst überzeugen möchte, hier geht’s zur Anmeldung zum Newsletter.

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