Im Zickzack durch die Weltgeschichte

Wer schon mal einen Newsletter oder ein Anschreiben formuliert hat, weiß: Der Anfang ist das Wichtigste. Da greift man als Texter*in gern mal zu Kreativtechniken, um seine Leser*innen zu fesseln und zum weiterlesen zu motivieren. Eine besonders beliebte Kreativtechnik besteht darin, zwei völlig unterschiedliche Dinge zu nehmen, und aus der Kombination der beiden Ideen zu generieren, z.B. indem man das eine als Metapher für das andere nimmt. Klappt super in Kreativ-Workshops. Klappt nicht ganz so gut beim hr-Kirchen-Newsletter.

kirchen-newsletter_kreativVon der Ablehnung des Brexit-Deals im britischen Unterhaus zur Hoffnung der hr-Kirchenredaktion, bei ihren Leser*innen für „inspirierende Momente für ein gutes Leben und verantwortliches Handeln“ zu sorgen, ist der Weg doch arg weit. Erinnert irgendwie an die amüsante SPON-Rubrik „In sieben Schritten – im Zickzack durch die Weltgeschichte“, bei der zwei beliebige Dinge A und B über sieben Schritte kausal miteinander verbunden werden, wobei A zum Beispiel eine fliegende Kuh und B Viagra sein kann. Sehr unterhaltsam und lehrreich.

Aber zurück zum hr-Kirchennewsletter. Vielleicht hat hr-Kirchenredakteur Lothar Bauerochse auch einfach nur eine Wette verloren. Dafür spricht auch der erste Teaser „Dem Leben auf der Spur“, in dem es von Metaphern und Redewendungen mit dem Wort „Spur“ nur so wimmelt und auch schon mal „Spur“ und „Spürsinn“ in einen Topf geworfen werden. Alte Texterweisheit: Manchmal ist weniger doch mehr. Aber lassen Sie sich gern selbst von der hr-Kirchenredaktion „inspurieren“ …

So weit, so lustig. Doch was hier einfach etwas zu weit hergeholt erscheint, hat beim hr Methode: Ganz gleich, um welches Thema es geht, es findet sich immer ein Anknüpfungspunkt, um kirchliche Anliegen daran aufzuhängen und so in das Programm zu bringen. Mehr dazu finden Sie in unserer Rubrik Gott und der hr

HR: Hessischer oder Heiliger Rundfunk?

Hervorgehoben

Sendungen wie „Das Wort zum Sonntag“ oder die üblichen christlichen Mahnungen und Spendenaufrufe zu hohen Feiertagen dürften die meisten Rundfunksteuerzahler empfinden wie Parteiwerbung vor Wahlen: ein bisschen lästig, aber kein Grund zur Aufregung. Tatsächlich nutzen die Kirchen die öffentlich-rechtlich Sender wie den hr weit intensiver als es scheint als gefällige Verlautbarungsorgane ihrer Botschaften, und sind zudem finanziell und personell aufs Engste in Organisation und Programmgestaltung des hr eingebunden.

  • Von den 32 Mitgliedern im hr-Rundfunkrat vertreten 25 Prozent einen Religionsanbieter oder sind im Management von Kirchen tätig. Auch der umstrittene DITIB ist dort vertreten.
  • Rund 1850 Kirchensendungen werden alleine im hr-Hörfunk pro Jahr ausgestrahlt. Dazu ist der hr gesetzlich verpflichtet, die Finanzierung der Produktion bleibt dabei jedoch im Dunkeln.
  • In unzähligen Sendungen kommen Kirchenlobbyisten als Experten oder anonym als Otto Normalbürger zu Wort, religiöse Folklore vom Segensroboter bis zum Online-Gottesdienst gehören zum Dauerprogramm.

Aus einer umfassende Analyse des hr-Programms vor allem im „Lutherjahr“ haben wir Highlights zusammengestellt: Gott und der hr

Wahrheit, Liebe, Blablaba

Wer sich am zweiten Weihnachtsfeiertag in den Teletext des hr verirrte, staunte nicht schlecht. Allenthalben taten Kirchenmänner unwidersprochen und unkommentiert ihre Sicht der Dinge kund und man fragte sich, ob man vielleicht in einer Parallelwelt gelandet war. Eine kurze Analyse gibt Einblick in kirchliche Befindlichkeiten …

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