Wie und wo beleidigt man Gott

In Deutschland drohen für blasphemische Äußerungen oder Tätigkeiten bis zu drei Jahre Haft, wenn diese geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu stören. So festgelegt im § 166 StGB (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsvereinigungen). Ab wann der öffentliche Friede gestört ist, bleibt Ansichtssache. Anders in den Niederlanden, Norwegen, Island und Irland: Dort wurden die Blasphemiegesetze in den letzten Jahren abgeschafft. Weniger tolerant sieht es in einigen islamischen Ländern aus: In Afghanistan, Iran, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien und Somalia droht Verurteilten sogar die Todesstrafe. Eine aktuelle Übersicht über die Blasphemigesetzgebung weltweit gibt dieser Artikel auf fowid.de:

https://fowid.de/meldung/blasphemie-gesetzgebungen-weltweit

Und hier finden Sie eine kleine Zusammenstellung von Blasphemievorwürfen in Deutschland.

 

Jenseits der Opfergrenze – die Doppelmoral der CDU/CSU

Wenn man sich die aktuelle Politik der Parteien mit dem C im Namen anschaut, fragt man sich, wie es denn nun mit dem Schutz des Lebens eigentlich aussieht. Beim Kompromissvorschlag zur Neufassung des § 219a StGB steht der Schutz des ungeborenen Lebens nach wie vor an erster Stelle. Die Rechte der Frauen, die ungewollt schwanger werden, sind nebensächlich. Mit der perfiden Formulierung „Werbung für Schwangerschaftsabbrüche“ tut man so, als würden Frauen womöglich dazu verleitet werden abzutreiben, wenn Ärzte auf ihren Webseiten darüber informieren, dass und wie sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Nee, ist klar, frau streift durchs Internet, stößt auf die Website eines solchen Arztes und denkt sich: „Hey, klingt spannend, das möchte ich auch mal machen.“ Oder vielleicht: „Wow, so einfach ist das, na, dann verhüte ich doch einfach mal nicht.“ Dass Frauen auch verantwortungsvoll mit sich und ihrem Körper umgehen könnten, scheinen die christlichen Damen und Herren jedenfalls auszuschließen. 

In dem Zusammenhang ist es interessant, sich den § 219 StGB (Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage) mal im Wortlaut zu Gemüte zu führen:

„(1) Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewusst sein, dass das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. (…)“

Für schwangere Frauen gibt es also eine zumutbare Opfergrenze. Meine – ganz persönliche – Meinung dazu ist: Ja, es gibt hier einen Interessenskonflikt. Ja, auch das ungeborene Leben verdient Schutz. Aber Frauen sind nicht einfach nur die Gefäße, die ein Kind austragen, das Zusammenspiel zwischen dem Organismus der schwangeren Frau und dem Ungeborenen ist komplex und beeinflusst dessen Entwicklung in vielfältigster Art und Weise. Eine Schwangerschaft ist eine Situation, welche die Frau in intimster Form betrifft. Die Lösung kann daher nicht sein, Frauen bewusst den Zugang zu notwendigen Informationen zu erschweren. Wer das tut, entmündigt Frauen und macht sie zu Bürgerinnen zweiter Klasse. Die radikalen Lebenschützer*innen lassen grüßen.

Ganz anders positionieren sich die C-Parteien beim zweiten aktuellen Thema, dem Tempolimit auf Autobahnen. Hier kann von einer zumutbaren Opfergrenze keine Rede sein, schließlich geht es um die „freie Fahrt für freie Bürger“. Man kann doch dem deutschen Autofahrer nicht zumuten, langsamer zu fahren, weil das vielleicht Leben rettet! Und wegen der Umwelt schon mal gleich gar nicht. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU): „Das Prinzip der Freiheit hat sich bewährt. Wer 120 fahren will, kann 120 fahren. Wer schneller fahren möchte, darf das auch. Was soll der Ansatz der ständigen Gängelung?“ 

Die Antwort ist ziemlich einfach: Leben retten. Geborenes Leben, um genau zu sein. Den Beweis, dass das funktioniert, gibt es auch schon: Auf der A24 in Brandenburg wurde 2002 auf einem 62 Kilometer langen Streckenabschnitt ein Tempolimit von 130 km/h eingeführt. Das Ergebnis ist ebenso eindeutig wie wenig überraschend: Die Zahl der tödlichen Unfälle sank um 57 Prozent von 838 auf 362 jährlich. Das sind 476 Menschenleben. Wie viele Menschenleben könnte man wohl jedes Jahr retten, wenn es bundesweit ein solches Tempolimit gäbe? Ist dieses Opfer zumutbar? Der christliche Verkehrsminister meint, nein. Wie er das mit seinem Glauben vereinbart, weiß nur er allein.

Gruppe der Konfessionsfreien auch 2017 weiter gewachsen

Die gute Nachricht zum Jahresende: Nach der Bestandsaufnahme der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) waren 2017 bereits 37 Prozent der Menschen in Deutschland konfessionsfrei bzw. ohne Religionszugehörigkeit. Das ist ein Plus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die beiden großen Kirchen büßten dagegen weiter Mitglieder ein: Die römisch-katholische Kirche kommt nur noch auf 28,2 Prozent (minus 0,3 Prozent), die EKD-evangelische Kirche lag 2017 bei 26 Prozent (minus 0,5 Prozent). Zusammen machen sie damit nur noch 54 Prozent aus. Gründe sind neben dem Bestattungsüberschuss (Bestattungen minus Taufen) vor allem die nach wie vor sehr hohen Austrittszahlen, welche die Zahl der Wiedereintritte bei weitem übertreffen.

„Bleiben diese Trends erhalten oder verstärken sich sogar (…), so werden die Kirchenmitglieder der beiden großen Kirchenverbände voraussichtlich in den Jahren 2022/2023 den Anteil von 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland unterschreiten.“

Mehr dazu hier: Religionszugehörigkeiten in Deutschland 2017 (fowid.de)

Säkulare Gesellschaft – säkulare Politik!

Am 28. Oktober wird in Hessen ein neuer Landtag gewählt. Grund genug für die säkularen Organisationen in Hessen, den Parteien zum Thema Trennung von Staat und Kirche mal genauer auf den Zahn zu fühlen. Die Arbeitsgruppe „Säkulare Organisationen in Hessen“ hat dafür zehn Walhlprüfsteine erstellt und an die Parteien zur Beantwortung geschickt. Das Spektrum reicht von finanziellen und medienrechtlichen Privilegien, der Abschaffung der Sonderregelung im Arbeitsrecht und der Einführung eines Ethikunterrichts für alle Schüler bis hin zu säkularen Feiertagen und dem gebührenfreien Kirchenaustritt. Die Antworten der Parteien machen wir Ihnen natürlich zugänglich.

Mehr dazu lesen Sie auf http://www.die-säkularen-hessen.de

Mit Politiker*innen der im Landtag vertretenen Parteien diskutieren wir über die wichtigsten Themen aus den Wahlprüfsteinen:

Wie trennen wir Staat und Kirche?
Säkulare Gesellschaft – säkulare Politik!

Podiumsdiskussion
14. September 2018, 19:30 Uhr
Saalbau Bornheim, Clubraum 1
Arnsburger Straße 24, 60385 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Gottes Segen? Nein, danke!

Wer wie ich als nicht religiöser Mitbürger am Silvesterabend der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin lauschte, staunte am Ende nicht schlecht. Nach einem – zwar nicht mitreißenden, aber immerhin – Plädoyer für Einigkeit auf Basis der Werte des Grundgesetzes und Achtung vor den Mitmenschen gab uns Angela Merkel noch Ihren Wunsch nach Gottes Segen für das neue Jahr mit auf den Weg.

In Anbetracht der immer größer werdenden Gruppe konfessionsfreier Menschen in Deutschland (mittlerweile sind wir bei über 36 Prozent) und stetig sinkenden Mitgliederzahlen bei beiden großen Kirchen fühlt man sich von der Politik mal wieder so richtig ernst genommen. Grund genug, der Bundeskanzerin eine säkulare Rückmeldung zu geben.

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Foul mit Pfaffe oder die Hessenschau spielt falsch

Dass die hessenschau ein großes Herz für die Kirche hat, dürfte aufmerksamen Zuschauern nicht entgangen sein. Dass sie dabei auch gern mal beide Augen zudrückt, wenn es um die Grundregeln journalistischen Arbeitens geht, ist wohl ein notwendiger Kollateralschaden. So am letzten Sonntag im Januar bei dem Bericht über Hessens einzigen Stadionpfarrer  und seine Kapelle im Frankfurter Fußballstadion (Minute 12:07-15:14). Der ganze Beitrag suggeriert, dass der Verein Eintracht Frankfurt und die Kirche in Person des Stadionpfarrers superdicke sind. Dumm nur, dass die Eintracht sich ausdrücklich vom christlichen Treiben distanziert und dem Pfarrer während der Spiele die Seelsorge verbietet.

hessenschau-stadionpfarrer Weiterlesen

Klingelstreich oder Missionierung mit Bling Bling

einsteinStellen wir uns einmal Folgendes vor: Zum Ende des Ramadan ziehen kleine Gruppen von Kindern verkleidet als drei Kalifen durch die Straßen, klingeln an allen Türen und sammeln für ein islamisches Missionswerk, das Koranschulen in Pakistan und ähnliche Projekte unterstützt. Undenkbar? Nicht wenn man muslimisch durch katholisch ersetzt und Koranschule in Pakistan durch Missionsschule in Kenia. Weiterlesen

Jesus lässt es gerne krachen

Nachdem das Thema Blasphemie und die Verletzung religiöser Gefühle durch Satire die Öffentlichkeit eine kleine Weile beschäftigt hat, muss man die Werbung von Radio Bob doch irgendwie schon fast mutig nennen. Grüßt doch Jesus in Überlebensgröße von einer Plakatwand mit einer Mischung aus Teufelsgruß – auch bekannt als Metalhand, in deutschen Hardrock- und Metalkreisen gern liebevoll „Pommesgabel“ genannt – und Segensgeste die musikalische Fangemeinde. Dazu der launige Spruch: „Und Gott sprach: ‚Es werde laut‘!“. Stellt sich die Frage: Was sagt Jesus als Rock-Fan eigentlich zum Tanzverbot an stillen Feiertagen?

Wir bedanken uns jedenfalls bei Radio Bob für dieses politische Statement und freuen uns aufs Hasenfest …

jesus-laut

Seltener Anblick: Jesus am Bahnhof Frankfurt-Berkersheim

 

Göttlich inspiriertes Handwerk

hessenschau1Am Ostersamstag überraschte uns die Hessenschau mit einem – möglicherweise unfreiwillig – lustigen Beitrag zu religiösem Brauchtum in Hessen, dem so genannten  Osterklappern. Dabei ziehen Ministranten und andere junge Menschen mit Ratschen und Drehklappern durch den Ort, um die Gläubigen an die Gebetszeiten und Andachten zu erinnern.

Gezeigt wurde auch ausführlich der örtliche Schreiner, der in Handarbeit und zum Selbstkostenpreis diese Geräte herstellt. Deutlich zu sehen im Hintergrund an der hessenschau2Werkstattwand: diverse Kalenderbilder leicht bekleideter Damen, die ihm vermutlich als Inspiration dienten. Da haben Redakteur und Kameramensch wohl nicht aufgepasst. Realsatire oder journalistisches Glanzstück – man weiß es nicht …

Und hier geht`s zum Beitrag …

Toll, jetzt erkennt auch die Kirche: Religionsfreiheit ist Menschenrecht

Religionsfreiheit is Menschenrecht

Neulich in Frankfurt-Bornheim: Mit einem großen Plakat verkündet die katholische Kirche in Gestalt ihres aktuellen Oberhirten, das Religionsfreiheit ein Menschenrecht ist. Wie schön, denke ich mir. Wobei ich mich frage, ob die und wir wohl dasselbe meinen. Nämlich, dass auch die „andere“ Religionsfreiheit, die, keine Religion zu haben, ein Menschenrecht ist.

Wir empfehlen Papst Franziskus einen Blick in den Freedom of Thought Report 2013. Dort könnte er erfahren, dass Atheisten  in 13 Ländern die Todesstrafe droht, in 12 Ländern der Abfall vom Glauben mit dem Tod bestraft wird und in 55 Ländern – u.a. Deutschland – Blasphemie strafbar ist, wobei in 39 davon eine Gefängnisstrafe droht und in 7 ein Todesurteil.