Buskampagne „Schlussmachen jetzt“ in Frankfurt

20190518_151203Rund 10 Jahre nach der ersten atheistischen Buskampagne, die 2009 durch Deutschland rollte und mit dem Slogan „Es gibt (aller Wahrscheinlichkeit nach) keinen Gott“ für Aufregung sorgte, ist Anfang Mai die Buskampagne 2.0 gestartet. Vom 4. bis 30. Mai tourt ein auffälliger roter Doppeldecker mit knalliger Beschriftung „Kirchenstaat – nein danke“ durch Deutschland. Am gestrigen Samstag war Halt in Frankfurt. Bei bestem Wetter bezog der Bus am Goetheplatz Stellung und sorgte samt dem mitreisenden Geldhamster für Aufmerksamkeit. 

20190518_142108Das Thema der Buskampagne ist nicht minder brisant als beim ersten Mal: Es geht diesmal um die Staatsleistungen, die der deutsche Staat jedes Jahr an die Kirchen zahlt als Ausgleich für die vor mehr als 200 Jahr durchgeführte Säkularisierung der kirchlichen Lehen. Diese Zahlungen sollten bereits vor 100 Jahren abgelöst werden, das verfügt 1919 die Weimarer Verfassung. Die entsprechenden Bestimmungen wurden 1949 auch in das deutsche Grundgesetz aufgenommen. Aber noch immer finanziert der deutsche Staat die Kirchen mit Milliardenbeträgen – die Parteien scheuen das Thema seit Jahren wie der Teufel das Weihwasser und ignorieren den eindeutigen Verfassungsauftrag. „70 Jahre Grundgesetz“ und „100 Jahre Weimarer Verfassung“ bedeuten nicht zuletzt auch 70 bzw. 100 Jahre Verfassungsbruch. Mehr Infos zur Kampagne gibt es auf der Kampagnen-Website der Giordano Bruno Stiftung: https://schlussmachen.jetzt

Pikantes Detail am Rande der Buskampagne: Wie die Veranstalter feststellen durften, ist Werbung mit kirchenkritischen Tönen in Deutschland noch immer ein Tabu. So lehnte die Bahn Werbung für die Buskampagne in ihren Bahnhöfen ab. Begründung: „fehlende Neutralität“. Vor dem Hintergrund, dass die Bahn Hauptsponsor des evangelischen Kirchentags ist, ist diese Aussage – sagen wir mal – erstaunlich. Auch bei der ersten Buskampagne – die ursprünglich als Werbung auf städtischen Bussen gedacht war – stellen sich die Verkehrsbetriebe quer. Zwar sind Millionen von Menschen in den letzten zehn Jahren aus der Kirche ausgetreten, aber den Verantwortlichen bei der Bahn geht angesichts der „gewagten“ Plakate zur Buskampagne offensichtlich der Arsch schon mal prophylaktisch auf Grundeis. Welche Werbung den Bahn-Neutralitätsfilter problemlos passiert hat, können Sie hier sehen.