Das Bistum Regensburg und die Missbrauchsfälle

Philipp Grüll und Verena Nierle haben in einem Beitrag für die Sendung Kontrovers- Das Politikmagazin im BR den Umgang des Bistums Regensburg mit den Missbrauchsopfern aufgezeigt. Allein die zwei im Sendungsbeitrag vorgestellten Fälle machen deutlich, dass die in Deutschland gewählte Form der Aufarbeitung völlig inakzeptabel ist.

In anderen Ländern werden die Missbrauchsfälle durch neutrale Gremien untersucht. Bei uns in Deutschland müssen sich die Opfer an die Kirche wenden, die dann entscheidet, ob eine Entschädigung gezahlt wird, oder nicht. Dieses Verfahren spottet jeder Beschreibung. Eine echte Aufarbeitung ist offensichtlich nicht erwünscht.

Wer sich den Beitrag unter dem folgenden Link bis zum Ende anschaut, braucht starke Nerven. Spätestens bei der Argumentation des vom Bistum beauftragten Anwalts für die Ablehnung verliert man jegliches Vertrauen in unseren Rechtsstaat. Wenn das die neue deutsche Lebenswirklichkeit sein soll, können wir Art. 1 GG ersatzlos streichen.

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/kontrovers/120418-kontrovers-missbrauch102.html

Papst fordert Erwachsene zum Schutz der Kinder auf

Stern.de berichtet über den zweiten Tag des Besuchs in Mexiko von Papst Benedikt XVI. Dieser hat die Erwachsenen zum Schutz der Kinder aufgefordert.

http://www.stern.de/news2/aktuell/papst-fordert-erwachsene-zum-schutz-der-kinder-auf-1804647.html

Und schon wieder wird die Wirklichkeit vom Papst verdreht. Die Schlagzeile sollte eigentlich heißen: Erwachsene fordern Papst zum Schutz der Kinder auf. Die katholische Kirche ist konfrontiert mit einem Missbrauchsskandal von unglaublicher Dimension. Dem Papst wird vorgeworfen persönlich an der Vertuschung der Vorfälle beteiligt gewesen zu sein und ausgerechnet er fordert die Erwachsenen zum Schutz der Kinder auf. Die Scheinheiligkeit und Heuchelei ist mal wieder nicht zu überbieten.

Oder doch?

heute.de bereichtet auch über den Papstbesuch in Mexico:

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,8504533,00.html

Am Vortag des Besuches war es in Mexiko-Stadt zu Protesten gekommen. Demonstranten warfen dem Papst vor, Missbrauchsfälle in der mexikanischen Kirche gedeckt zu haben. Zugleich kritisierten sie die ihrer Meinung nach zu hohen Kosten der Visite.

In Mexiko wurden zuvor unterschiedliche Erwartungen an den Besuch des deutschen Papstes formuliert. Er will sich, wie zuvor aus dem Vatikan verlautete, nicht zu den Missbrauchsskandalen in der mexikanischen Kirche äußern, was Menschenrechtsaktivisten fordern. Vor allem der Skandal um den Gründer der einflussreichen Legion Christi, den Priester Marcial Maciel (1920-2008), hat der Kirche in Mexiko schwer geschadet. Maciel, wurde beschuldigt, mehr Dutzende Kinder missbraucht und mit zwei Frauen drei Kinder gehabt zu haben.

Der Papst wird auch folgendermaßen zitiert:

„Es ist die Aufgabe der Kirche, das Gewissen zu bilden, zur moralischen Verantwortung anzuhalten und das Böse zu entlarven, die Vergötterung des Geldes zu demaskieren, die den Menschen versklavt, und die falschen Versprechen der Drogen, ihre Lügen und der damit verbundene Betrug.“

Ist mit Drogen und dem damit verbundenen Betrug auch der Bau von Kirchen finanziert mit Drogengeldern gemeint? Oder die Geldwäsche der Drogengelder durch die Kirche?

In dem Beitrag „Der Papst muss die Rache der Mafia in Mexico nicht fürchten“ schreibt die Historikerin Prof. Dr. Silke Hensel:

Der Bischof von Aguascalientes, Ramon Godinez, äußerte dem Beitrag zufolge 2005 die Ansicht, die Kirche könne durchaus Drogengelder annehmen, weil das Geld, vorausgesetzt es werde in guter Absicht gegeben, ‚gereinigt‘ werden könne.

http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2012/mar/Ansichtssache_Papstreise_Mexiko.html

In den Medien ist zu lesen, der Papst habe Mexico seine Hilfe beim Kampf gegen die Drogen versprochen. Hoffentlich fällt die Aktion etwas wirkungsvoller aus, als die im letzten August mit dem Blut von Papst Johannes Paul II. Das hat wohl nicht wirklich geholfen:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,779562,00.html

Es ist höchste Zeit für eine unabhängige Untersuchungskommission

Unter dem Titel

Ackermanns Frechheit
Es ist höchste Zeit für eine unabhängige Untersuchungskommission

http://www.taz.de/Kommentar-Missbrauch-in-Kirchen/!89962/

hat Matthias Katsch einen Kommentar zu den Vorgänge im Bistum Trier und dem Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauchsskandal geschrieben.

Und wie lange will sich die Gesellschaft noch gefallen lassen, dass eine Institution sich in dieser Weise selbst aufklärt?

Bis heute wissen wir nicht, wie viele Fälle sexuellen Missbrauchs es wo innerhalb der weitverzweigten Katholischen Kirche in Deutschland gegeben hat. Während in Irland, Österreich oder zuletzt den Niederlanden Kommissionen im staatlichen Auftrag die Untersuchung vorantrieben, stochern wir hierzulande immer noch im Nebel.

Die Gesellschaft sind wir alle. Fragen Sie doch einfach mal ihren Bundestagsabgeordneten. Sie finden ihn hier: http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/index.jsp

Katholischer Missbrauchsbeauftragter schont Pädophile

Spiegel Online (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822002,00.html) berichtet über den Trierer Bischof Stephan Ackermann:

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofkonferenz und hatte in dieser Funktion eine „Null-Toleranz-Linie“ gegenüber Sexualstraftätern gefordert. Nach SPIEGEL-Informationen verfährt er in der Praxis jedoch anders und beschäftigt Pädophile weiterhin als Seelsorger.

 

Der komplette Umgang der evangelischen, wie der katholischen Kirche mit dem Missbrauchsskandal ist ein Hohn für die Opfer. Das sich diese für eine Entschädigung direkt an die Kirche wenden sollen, die dann über eine Entschädigung und deren Höhe entscheidet ist ein schlechter Witz. Da passt der Missbrauchsbeauftragte der  Deutschen Bischofskonferenz wieder voll ins Bild.