Ethik-Religion(sunterricht)-Schule

 

Flyer Online KopieDer Arbeitsbereich möchte mit interessierten Säkularen sich engagieren für ein gemeinsames Unterrichtfach Ethik für alle und ein religiös und weltanschaulich neutrales staatliches Schulwesen.

Seit November 2013 gibt es im Arbeitsbereich einen AK „Ethik für alle“, der im März dieses Jahres eine gut besuchte Podiumsdiskussion veranstaltet hat: Ethik für alle – Bericht

Das nächste Treffen der Arbeitsgruppe Ethik, Religionsunterricht, Schule wird am Mittwoch, dem 20. Mai 2015 – 19 Uhr stattfinden in Frankfurt am Main, Berger Str. 69 (DiKoM e.V., im Hinterhof).

Wir berichten von der Veranstaltung der Säkularen Grünen, informieren über eine Tagung zum Religionsunterricht und Überlegungen zu Aktivitäten bzgl. der Aufwertung des Ethikunterrichtes zum ordentlichen Unterrichtsfach.

Ich bitte um kurze Mitteilung über Teilnahme. Herzlichen Dank!

Info Martin Wagner: martin-wagner@online.de / 0170 3153971

ethik2014Martin Wagner, Landesvorsitzender des Intenationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) -Hessen- hat auf dieser Veranstaltung Positionen und aktuelle politische Forderungen zum Ethikunterricht für Alle vorgestellt: Ethik für alle – Beitrag Mawa

Alle, die in der Arbeitsgruppe „Ethik, Religionsunterricht, Schule“ (kontinuierlich) mitarbeiten möchten, sind herzlich eingeladen!

NMaterialien:

Eine erste Darstellung zum Thema Ethik als Schulfach liegt vor aus 1994:                1.Ethik als Schulfach, Treml 1994 Eine weitere, nunmehr allerdings auch schon fünf Jahre alte Darstellung, zeigt die Ausgangslage: 2. Situation Ethikunterricht, KuMiKo-Bericht 2005 Auf drei Seiten erfolgt eine –allerdings recht dünne, lieblose und offensichtlich uninteressierte- Beantwortung des an alle Länder geschickten Fragebogens durch das Hessischen Kultusministeriums. Insgesamt wird deutlich, mit welchem Desinteresse und welcher Reserviertheit das Thema gerade in Hessen behandelt wird. Eine kritische, pointierte und gehaltvolle Übersicht über 20 Jahre Ethikunterricht liefert Peter Kriesel vom Fachverband Ethik. 3. 20 Jahre Entwicklung im Fach Ethik Schon 2003 hatte der Fachverband u.a. in der 4. Fachverband Ethik, Erfurter Erklaerung von 2003 gefordert, den verfassungswidrigen Status des Faches Ethik als Ersatzfach aufzugeben und Ethik zu einem ordentlichen Unterrichtsfach zu erklären. Hilfreich für die weitere Diskussion ist auch: Die Verfassungsmäßigkeit eines Ethik-Pflichtfaches und einer religionskundlichen Grundbildung für alle Schülerinnen und Schüler Juristische Stellungnahmen vorgelegt anlässlich der öffentlichen Anhörung zur Änderung des Schulgesetzes am 2. März 2006 im Abgeordnetenhaus von Berlin 5. Ethikfach Berlin – rechtl. Stellungnahmen Den letzten Stand in Hessen (2012) geben eine Antwort der Kultusministerin auf eine Anfrage von Prof. Horz in „abgeordneten-watch.de“ wieder 6. Anfrage KuMi Ethik – Prof. Horz zum Thema Kinder und Jugend: Ethik vom 11.03.2012 und die Ausführungen des Kultusministeriums auf einen dringlichen Berichtsantrag
der Landtagsabgeordneten der Partei DIE LINKE, Barbara Cardenas: 7. Ethik Anfrage DIE LINKE betreffend Ethikunterricht an hessischen Grundschulen und Unterrichtsausfall.

Die Antworten auf diese Anfragen sind oft falsch, nichtssagend oder erklärungsbedürftig. Um zu einem wirklich realistischen Bild der doch eher katastrophalen Situation des Ethikunterrichtes in Hessen und den sich daraus ergebenden Forderungen und notwendigen Entwicklungen zu kommen, sind konkrete Nachfragen zu belastbaren Fakten, spezielle Untersuchungen und ein verstärktes Engagement auch und gerade der Säkularen notwendig. Deshalb sind die Beauftragung einer fundierten Bestandsaufnahme (wissenschaftlichen Studie) und die Finanzierung eines Kongresses zum Thema „Zukunft des Ethikunterrichtes in Hessen“ unter der Ausrichtung des Fachverbandes Ethik notwendige Forderungen an das Kultusministerium.

Damit werden wichtige Voraussetzungen geschaffen, um den Herausforderungen der verstärkten Diversität unserer Gesellschaft mit der Intensivierung eines gemeinsamen Diskurses zu begegnen.

Gesetze, Erlasse, Verordnungen:

Eine erste Übersicht gibt: „Die Rechtslage zum Religionsunterricht in Hessen“:                 A. Rechtslage Hessen Bildung und Schule ist Ländersache.

Zum Thema Religionsunterricht gibt es Aussagen der Hessischen Verfassung von 1946 in den Artikeln 56, 57 und 48:

Hauptteil, V. Erziehung, Bildung, Denkmalschutz und Sport (Art. 55 -62a)

Artikel 56
(1) Es besteht allgemeine Schulpflicht. Das Schulwesen ist Sache des Staates. Die Schulaufsicht wird hauptamtlich durch Fachkräfte ausgeübt.
(2) An allen hessischen Schulen werden die Kinder aller religiösen Bekenntnisse und Weltanschauungen in der Regel gemeinsam erzogen (Gemeinschaftsschule).
(3) Grundsatz eines jeden Unterrichts muß die Duldsamkeit sein. Der Lehrer hat in jedem Fach auf die religiösen und weltanschaulichen Empfindungen aller Schüler Rücksicht zu nehmen und die religiösen und weltanschaulichen Auffassungen sachlich darzulegen.
(4) Ziel der Erziehung ist, den jungen Menschen zur sittlichen Persönlichkeit zu bilden, seine berufliche Tüchtigkeit und die politische Verantwortung vorzubereiten zum selbständigen und verantwortlichen Dienst am Volk und der Menschheit durch Ehrfurcht und Nächstenliebe, Achtung und Duldsamkeit, Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit.
(5) Der Geschichtsunterricht muß auf getreue, unverfälschte Darstellung der Vergangenheit gerichtet sein. Dabei sind in den Vordergrund zu stellen die großen Wohltäter der Menschheit, die Entwicklung von Staat, Wirtschaft, Zivilisation und Kultur, nicht aber Feldherren, Kriege und Schlachten. Nicht zu dulden sind Auffassungen, welche die Grundlagen des demokratischen Staates gefährden.
(6) Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, die Gestaltung des Unterrichtswesens mitzubestimmen, soweit die Grundsätze der Absätze 2 bis 5 nicht verletzt werden.
(7) Das Nähere regelt das Gesetz. Es muß Vorkehrungen dagegen treffen, daß in der Schule die religiösen und weltanschaulichen Grundsätze verletzt werden, nach denen die Erziehungsberechtigten ihre Kinder erzogen haben wollen.

Artikel 57
(1) Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach. Der Lehrer ist im Religionsunterricht unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts an die Lehren und die Ordnungen seiner Kirche oder Religionsgemeinschaft gebunden.
(2) Diese Bestimmungen sind sinngemäß auf die Weltanschauungsgemeinschaften anzuwenden.

Artikel 58
Über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht bestimmt der Erziehungsberechtigte. Kein Lehrer kann verpflichtet oder gehindert werden, Religionsunterricht zu erteilen.

Es gibt ein Hessisches Schulgesetz in der Fassung vom 14. Juni 2005 (GVBl. I S. 441), zuletzt geändert durch Gesetz vom 21. November 2011 (GVBl. I S. 679):                      B. Hessisches Schulgesetz – Stand 2012

Zum Thema „Religion, Weltanschauung“ äußern sich zunächst die §§1 und 2:                  „§ 1 Recht auf schulische Bildung

(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Bildung. Dieses Recht wird durch ein Schulwesen gewährleistet, das nach Maßgabe dieses Gesetzes einzurichten und zu unterhalten ist. Aus diesem Recht auf schulische Bildung ergeben sich einzelne Ansprüche, wenn sie nach Voraussetzungen und Inhalt in diesem Gesetz oder aufgrund dieses Gesetzes bestimmt sind.                                                                                       (2) Für die Aufnahme in eine Schule dürfen weder Geschlecht, Behinderung, Herkunftsland oder Religionsbekenntnis noch die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung der Eltern bestimmend sein.

§ 2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule

(1) Schulen im Sinne dieses Gesetzes sind für die Dauer bestimmte Bildungseinrichtungen, in denen unabhängig vom Wechsel der Lehrerinnen und Lehrer und der Schülerinnen und Schüler allgemein bildender oder berufsqualifizierender Unterricht planmäßig in mehreren Gegenstandsbereichen einer Mehrzahl von Schülerinnen und Schülern erteilt wird und Erziehungsziele verfolgt werden. Sie erfüllen in ihren verschiedenen Schulstufen und Schulformen den ihnen in Art. 56 der Verfassung des Landes Hessen erteilten gemeinsamen Bildungsauftrag, der auf christlicher und humanistischer Tradition beruht. Sie tragen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Persönlichkeit in der Gemeinschaft entfalten können.

(2) Die Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, in Anerkennung der Wertordnung des Grundgesetzes und der Verfassung des Landes Hessen auseinander setzen zu können,                                                                                                             1. die Grundrechte für sich und andere wirksam werden zu lassen, eigene Rechte zu wahren und die Rechte anderer auch gegen sich selbst gelten zu lassen,
2. staatsbürgerliche Verantwortung zu übernehmen und sowohl durch individuelles Handeln als auch durch die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen mit anderen zur demokratischen Gestaltung des Staates und einer gerechten und freien Gesellschaft beizutragen,                                                                                                                       3. die christlichen und humanistischen Traditionen zu erfahren, nach ethischen Grundsätzen zu handeln und religiöse und kulturelle Werte zu achten,                               4. die Beziehungen zu anderen Menschen nach den Grundsätzen der Achtung und Toleranz, der Gerechtigkeit und der Solidarität zu gestalten,                                               5. die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch über die Anerkennung der Leistungen der Frauen in Geschichte, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zu erfahren,                   6. andere Kulturen in ihren Leistungen kennen zu lernen und zu verstehen,                       7. Menschen anderer Herkunft, Religion und Weltanschauung vorurteilsfrei zu begegnen und somit zum friedlichen Zusammenleben verschiedener Kulturen beizutragen sowie für die Gleichheit und das Lebensrecht aller Menschen einzutreten,                                        8. die Auswirkungen des eigenen und gesellschaftlichen Handelns auf die natürlichen Lebensgrundlagen zu erkennen und die Notwendigkeit einzusehen, diese Lebensgrundlagen für die folgenden Generationen zu erhalten, um der gemeinsamen Verantwortung dafür gerecht werden zu können,                                                               9. ihr zukünftiges privates und öffentliches Leben sowie durch Maßnahmen der Berufsorientierung ihr berufliches Leben auszufüllen, bei fortschreitender Veränderung wachsende Anforderungen zu bewältigen und die Freizeit sinnvoll zu nutzen.

(3) Die Schule soll den Schülerinnen und Schülern die dem Bildungs- und Erziehungsauftrag entsprechenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Werthaltungen vermitteln. Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen,                                                 1. sowohl den Willen, für sich und andere zu lernen und Leistungen zu erbringen, als auch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zum sozialen Handeln zu entwickeln,                     2. eine gleichberechtigte Beziehung zwischen den Geschlechtern zu entwickeln,              3. Konflikte vernünftig und friedlich zu lösen, aber auch Konflikte zu ertragen,                   4. sich Informationen zu verschaffen, sich ihrer kritisch zu bedienen, um sich eine eigenständige Meinung zu bilden und sich mit den Auffassungen Anderer unvoreingenommen auseinander setzen zu können,                                                          5. ihre Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeiten zu entfalten und           6. Kreativität und Eigeninitiative zu entwickeln.

(4) Die Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, ihre Aufgaben als Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union wahrzunehmen“

Für den Religions- und Ethikunterricht gilt der §8:

㤠8 Religionsunterricht und Ethikunterricht

(1) Religion ist ordentliches Unterrichtsfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Kirchen oder Religionsgemeinschaften erteilt. Die Kirchen oder Religionsgemeinschaften können sich durch Beauftragte vergewissern, dass der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen ihres Bekenntnisses erteilt wird.

(2) Keine Lehrerin und kein Lehrer kann verpflichtet oder, die Befähigung vorausgesetzt, gehindert werden, Religionsunterricht zu erteilen.

(3) Eine Abmeldung vom Religionsunterricht ist möglich. Hierüber entscheiden die Eltern, nach Vollendung des 14. Lebensjahres die Schülerinnen und Schüler.

(4) Die Schülerinnen und Schüler, die am Religionsunterricht nicht teilnehmen, sind verpflichtet, an einem Ethikunterricht teilzunehmen, in dem ihnen das Verständnis für Wertvorstellungen und ethische Grundsätze und der Zugang zu ethischen, philosophischen und religionskundlichen Fragen vermittelt wird. Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen, Schulformen und Schulstufen können dabei zu einer pädagogisch vertretbaren Lerngruppe zusammengefasst werden“


Seit 2007 ist in einem Erlass die Einführung des Ethikunterrichtes geregelt: Erlass vom 13. Juli 2007, II.5 KL – 351.200.290 – 7, Gült. Verz. Nr. 7205, Amtsblatt 8/07 – Seite 504       D. Erlass Ethikunterricht 2007

Auszug

„Ethikunterricht wird unter der Voraussetzung des § 5 der Verordnung über die Festlegung der Anzahl und der Größe der Klassen, Gruppen und Kurse in allen Schulformen vom 3. Dezember 1992 (ABl. 1993 S. 2) in den Klassen, Jahrgangsstufen, Schulstufen, Schulzweigen, Abteilungen und Schulformen erteilt, in denen Religionsunterricht erteilt wird. An der Grundschule wird Ethikunterricht erteilt, sobald Bildungsstandards hierfür in Kraft treten.
[…]
Zur Teilnahme am Ethikunterricht sind alle Schülerinnen und Schüler verpflichtet, die bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres auf Grund einer Entscheidung ihrer Eltern, danach auf Grund eigener Entscheidung von einem eingerichteten Religionsunterricht abgemeldet sind oder sich nicht für eine Teilnahme an einem eingerichteten Religionsunterricht entscheiden.
Schülerinnen und Schüler sind von der Teilnahme am Unterricht in Ethik freigestellt, wenn sie nachweislich regelmäßig an einem von den Kirchen oder Religionsgemeinschaften selbst angebotenen Religionsunterricht nach Maßgabe des Abschnittes VI Nr. 1 des Erlasses vom 1. Juli 1999 (ABl. 8/99 S. 695) in der jeweils geltenden Fassung teilnehmen.
Für Schülerinnen und Schüer, die am Ethikunterricht teilnehmen wollen, ohne dazu verpflichtet zu sein, gilt dieser Unterricht als freiwillige Unterrichtsveranstaltung im Sinne des § 9 Abs. 3 des Hessischen Schulgesetzes. Ihnen ist die Teilnahme zu gestatten, sofern die schulorganisatorischen Voraussetzungen dies zulassen. Teilnahmeverpflichtung und Teilnahmeberechtigung gelten in der Regel für mindestens ein Schulhalbjahr.
Der Ethikunterricht wird für die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II entsprechend folgendem Stufenplan eingerichtet: Beginnend mit dem Schuljahr 2007/08 für die

  • Klassen 8 der Hauptschulen und Hauptschulzweige
  • Klassen 9 der sonstigen Bildungsgänge
  • Einführungsphase und erstes Jahr der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe

ab dem Schuljahr 2008/09 für die

  • Klassen 7 der Hauptschulen und Hauptschulzweige
  • Klassen 8 der sonstigen Bildungsgänge

und ab dem Schuljahr 2009/10

  • Jahrgangsstufen 5 und 6 “

Einzelheiten zum Religionsunterricht regelt der letzte Erlass des Hessischen Kultusministers vom 5. November 2009 Z.4 – 870.500.000 – 12 Gült. Verz. Nr. 7205:         C. Schulgesetz_Synopse_2009-2011

Auszug

[…]

„5 – Unterrichtsorganisation
1. Religionsunterricht ist einzurichten, wenn mindestens acht Schülerinnen und Schüler teilnehmen und zu einer pädagogisch und schulorganisatorisch vertretbaren Lerngruppe zusammengefasst werden können. Gegebenenfalls kann der Unterricht auch jahrgangs- und schulformübergreifend erteilt werden. Sofern dies zur Bildung von Lerngruppen schulorganisatorisch notwendig und verkehrsmäßig möglich ist, können auch Schülerinnen und Schüler mehrerer benachbarter Schulen zusammengefasst werden. Grundsätzlich sind bei der Bildung von Lerngruppen die jeweils geltenden Richtlinien für die Festlegung der Anzahl und der Größe der Klassen (Gruppen, Kurse) in allen Schulformen zu beachten.
2. Wird die in Nr. 1 genannte Mindestzahl von Schülerinnen und Schülern in einer Lerngruppe nicht erreicht, haben die Kirchen und Religionsgemeinschaften das Recht, auf ihre Kosten Religionsunterricht zu erteilen. Dafür sind ihnen auf Antrag von den Schulträgern die erforderlichen Räume unentgeltlich zu überlassen. Auch dieser Unterricht gilt als schulischer Religionsunterricht; er ist – unabhängig von dem Ort der Erteilung – unter Angabe der Schülerinnen und Schüler, deren Schule und Klasse, des Unterrichtsortes und der Unterrichtszeit der Schulaufsichtsbehörde zu melden.
3. Als ordentliches Unterrichtsfach (§ 8 Abs. 1 des Hessischen Schulgesetzes) unterliegt Religion den allgemeinen Regeln der Organisation und Gestaltung des Unterrichts. Das Fach kann daher auch in Projekte und Vorhaben fachübergreifenden und fächerverbindenden Unterrichts einbezogen werden, um Schülerinnen und Schüler zu befähigen, dabei aufgeworfene Probleme auch unter religiös-ethischem Aspekt zu beurteilen. Damit kann zugleich die Begegnung von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Religion und das Verständnis füreinander gefördert werden (§ 2 Abs. 2 des Hessischen Schulgesetzes).
4. Bei der Stundenplangestaltung ist zu gewährleisten, dass Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in der Regel weder nur in Eckstunden erteilt wird noch bei unvermeidbaren Unterrichtskürzungen stärker als andere Unterrichtsfächer – bezogen auf ihren Anteil am gesamten Pflichtunterricht der jeweiligen Schule – betroffen wird.
5. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht sind nach Maßgabe des § 73 des Hessischen Schulgesetzes und den dazu ergangenen Ausführungsvorschriften zu bewerten.

6 – Teilnahme der Schülerinnen und Schüler am Religionsunterricht                       1. Schülerinnen und Schüler nehmen in der Regel an dem Religionsunterricht des Bekenntnisses teil, dem sie angehören. Die Konfession der Schülerinnen und Schüler wird bei der Aufnahme in die Schule festgestellt. Die Nichtteilnahme am Religionsunterricht bedarf einer schriftlichen Erklärung der Eltern (§ 100 des Hessischen Schulgesetzes) oder der religionsmündigen Schülerinnen und Schüler.
2. Bei einer Umschulung nehmen Schülerinnen und Schüler an dem Religionsunterricht teil, an dem sie bisher teilgenommen haben. Die Eltern (§ 100 des Hessischen Schulgesetzes) oder die Schülerinnen und Schüler sind darüber erforderlichenfalls bei der Umschulung zu befragen.
3. Eine Abmeldung vom bisher besuchten Religionsunterricht bedarf einer schriftlichen Erklärung der Eltern (§ 100 des Hessischen Schulgesetzes) oder der religionsmündigen Schülerinnen und Schüler. Die Abmeldung von religionsmündigen, aber noch nicht volljährigen Schülerinnen und Schülern ist den Eltern von der Schule schriftlich mitzuteilen.
4. Die Abmeldung ist nur in der Form der Einzelabmeldung statthaft. Sie soll in der Regel nur am Ende eines Schulhalbjahres erfolgen. Eine Rücknahme der Abmeldung ist zulässig.
[…]

8 – Teilnahme der Schülerinnen und Schüler an kirchlichen Veranstaltungen und  Zusammenarbeit im Rahmen der Öffnung der Schule                                               1. Zur Teilnahme an Rüstzeiten der Kirchen oder Religionsgemeinschaften (z.B. für Konfirmanden, Firmlinge, Schulabgänger) sind Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 an zweimal bis zu drei Unterrichtstagen zu beurlauben, sofern die Eltern oder die volljährigen Schülerinnen und Schüler dies beantragen. Religionslehrerinnen und Religionslehrern ist auf Antrag zur Teilnahme an solchen Rüstzeiten Dienstbefreiung zu gewähren, sofern nicht schwerwiegende schulorganisatorische Gründe dem entgegenstehen.
2. Schülergottesdienste sind Veranstaltungen der Kirchen oder Religionsgemeinschaften; eine Teilnahmepflicht für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte besteht nicht. Schülergottesdienste finden in der Regel außerhalb der Unterrichtszeit statt; dies gilt nicht für Schülergottesdienste, die traditionsgemäß während der Unterrichtszeit stattfinden sowie für Gottesdienste bei der Einschulung und Entlassung, am Beginn und Ende eines Schuljahres.
3. Angebote der Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Kinder- und Jugendarbeit wie zum Beispiel seelsorgerliche Begleitung, religiös-ethische Arbeitskreise und Freizeiten können geeignete Projekte der Zusammenarbeit mit der Schule im Rahmen ihrer Öffnung für das Umfeld nach § 16 des Hessischen Schulgesetzes sein und in die Grundsätze aufgenommen werden, die dafür die Schulkonferenz nach § 129 Nr. 7 des Gesetzes entwickelt.

* MaWa- 2014


Kerncurricula zu Ethik in Hessen

Folgende Lehrpläne zum Schulfach Ethik liegen in Hessen vor:

  1. Grundschule    1. Ethik Curriculum: Grundschule
  2. Hauptschule    2. Ethik Curriculum: Hauptschule
  3. Realschule      3. Ethik Curriculum: Realschule
  4. Gymnasium     4. Ethik Curriculum: Gymnasium

 

Button Reli adieu

Button zur IBKA Kampagne „Reli adieu“Der im Grundgesetz festgeschriebene bekenntnisorientierte Religionsunterricht gibt den christlichen Kirchen – und in einigen Bundesländern auch anderen Religionen – die Möglichkeit, unter Kindern und Jugendlichen zu missionieren. Diese Tatsache, die sich mit einem säkularen Staatsverständnis nur schwer vereinbaren lässt, ist Thema der aktuellen Kampagne von IBKA und GBS „Reli adieu“.In Hessen ist der Religionsunterricht im Schulgesetz geregelt:Schulgesetz als PDF-DateiIn diesem Arbeitsbereich möchten wir uns mit diesen drei Themen beschäftigen und uns zusammen mit interessierten Säkularen für ein gemeinsames Unterrichtsfach Ethik für alle sowie ein religiös und weltanschaulich neutrales staatliches Schulwesen engagieren.Eine erste Darstellung zum Thema Ethik als Schulfach stammt aus dem Jahr 1994:Alfred K. Treml: Ethik als Unterrichtsfach in den verschiedenen Bundesländern. Eine Zwischenbilanz. 1994 (PDF, 200 kb)

Eine weitere allerdings auch schon fünf Jahre alte Darstellung zeigt die Ausgangslage:

Zur Situation des Ethikunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland, Bericht der Kultusministerkonferenz vom 22.02.2008 (PDF, 1,3 MB)

Auf drei Seiten erfolgt eine – allerdings recht dünne – Beantwortung des an alle Länder geschickten Fragebogens durch das Hessischen Kultusministeriums.

Insgesamt wird doch deutlich, mit welcher Reserviertheit das Thema gerade auch in Hessen behandelt wird:

Die Verfassungsmäßigkeit eines Ethik-Pflichtfaches und einer religionskundlichen Grundbildung für alle Schülerinnen und Schüler ist wiederkehrendes Thema. Darüber informieren u.a.

Juristische Stellungnahmen vorgelegt anlässlich der öffentlichen Anhörung zur Änderung des Schulgesetzes am 2. März 2006 im Abgeordnetenhaus von Berlin (PDF, 320 kb)

und die Erfurter Erklärung des „Fachverband Ethik“ von 2003 (PDF, 100 kb).

Den aktuellen Stand in Hessen zeigen zum einen eine Antwort der vorigen Kultusministerin auf eine Anfrage von Prof. Horz in „abgeordneten-watch.de“:

und zum anderen die Ausführungen des Kultusministeriums auf einen dringlichen Berichtsantrag der Landtagsabgeordneten der Partei DIE LINKE, Barbara Cardenas:

Dringlicher Berichtsantrag der Abg. Cárdenas (DIE LINKE) und Fraktion betreffend Ethik-Unterricht an hessischen Grundschulen und Unterrichtsausfall (45. Sitzung des Kulturpolitischen Ausschusses, 20. September 2012, 10:00 bis 12:40 Uhr) (PDF 200 KB)

Um aber zu einem wirklich realistischen Bild der doch eher katastrophalen Situation des Ethikunterrichtes in Hessen und den sich daraus ergebenden Forderungen und notwendigen Entwicklungen zu kommen, sind konkrete Nachfragen, spezielle Untersuchungen und verstärktes Engagement auch und gerade der Säkularen notwendig.

Alle, die in einer Arbeitsgruppe „Ethik, Religionsunterricht, Schule“ mitarbeiten möchten, sind herzlich eingeladen!
Ansprechpartner: Martin Wagner (martin.wagner@ibka.org)