Foulspiel mit Pfaffe oder die Hessenschau spielt falsch

Dass die hessenschau ein großes Herz für die Kirche hat, dürfte aufmerksamen Zuschauern nicht entgangen sein. Dass sie dabei auch gern mal beide Augen zudrückt, wenn es um die Grundregeln journalistischen Arbeitens geht, ist wohl ein notwendiger Kollateralschaden. So am letzten Sonntag im Januar bei dem Bericht über Hessens einzigen Stadionpfarrer  und seine Kapelle im Frankfurter Fußballstadion (Minute 12:07-15:14). Der ganze Beitrag suggeriert, dass der Verein Eintracht Frankfurt und die Kirche in Person des Stadionpfarrers superdicke sind. Dumm nur, dass die Eintracht sich ausdrücklich vom christlichen Treiben distanziert und dem Pfarrer während der Spiele die Seelsorge verbietet.

hessenschau-stadionpfarrerTatsächlich sieht der Eintracht-Vorstand keinen Bedarf für eine Seelsorge an den Spieltagen. „Wir stehen der Verschmelzung von Fußball und Religion zu einem weiteren Event-Baustein eines Fußballspiels sehr kritisch gegenüber“, so Pressesprecher Carsten Knoop. Zudem sei eine geistliche Notfallseelsorge bei der Eintracht nicht nötig, meint Knoop. (Quelle: http://www.main-echo.de/regional/rhein-main-hessen/art11995,2001753).

Das kann die hessenschau jedoch nicht erschüttern. „Eintracht Maskottchen Attila ist zum Jubliläumsgottesdienst gekommen“, freut sich der Reporter in dem Bericht und zeigt erst den Vereinsadler und dann die christlich beseelte Eintracht-Fanfamilie Ziegler, die beglückt vom seelsorgerischem Zuwendung ihre Kinder von Pfarrer Eckert taufen lässt. “Für viele Fans ist die Taufe im Stadion ein Muss“, jubelt es im Artikel der hessenschau zu demselben Thema. Tatsächlich waren es bislang 100 Taufen in 10 Jahren, also weniger als eine Taufe im Monat. „Viele“ ist halt relativ. Auch dass die Kapelle in den Farben der Eintracht gestaltet ist, hält die hessenschau für einen Zufall, denn „der Stuttgarter Bildhauer Werner Pokorny wählte zumindest das Rot als Farbe von Leben, Leidenschaft und der Dynamik des sportlichen Wettkampfs.“ Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

Wer den Beitrag sieht oder den Artikel liest, muss zwangsläufig zu dem Schluss kommen, Eintracht und Kirche sind in christlicher Missionierung vereint. Dass der Pfarrer während der Spiele der Eintracht keine Seelsorge betreiben darf, wird mit der Lage der Kapelle im Sicherheitsbereich des Stadions begründet. Für die hessenschau ist es anscheinend kaum vorstellbar, dass sich die Eintracht als Verein einer Stadt, in der mittlerweile weniger als die Hälfte der Bevölkerung einer der beiden christlichen Kirchen angehört (Quelle: https://fowid.de/meldung/bevoelkerung-nach-religionszugehoerigkeit-frankfurtmain-1900-2010), vielleicht mit Absicht weltanschaulich neutral verhalten möchte.

Aber nicht nur die hessenschau und ihr Verhältnis zur Kirche werfen Fragen auf. Auch die Betreiber der Commerzbank-Arena, die Frankfurt Stadion Management GmbH, agiert hier auf fragwürdige Art und Weise. Denn sie handelt im Auftrag des Eigentümers, der städtischen Sportpark Stadion Frankfurt am Main Gesellschaft für Projektentwicklungen mbH, kurz: der Stadt Frankfurt. Stellt sich also die Frage, warum der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und dem Bistum Limburg kostenlos ein immerhin 90 Quadratmeter großer Raum für die Kapelle zur Verfügung gestellt wird. Das Bistum Limburg ist in den letzten Jahren ja nicht unbedingt durch Geldmangel auffällig geworden und auch die Kirchensteuereinnahmen 2015 waren nicht von Pappe.*

Doch damit nicht genug: Seit 1.1.2017 arbeitet Pfarrer Eckert neben seiner halben Stelle als Stadionpfarrer auch auf einer halben Stelle als „Referent für Kirche und Sport“ der EKD und will in dieser Funktion „das Gespräch mit Sportlern und Funktionären suchen.“  Dafür richtet ihm die Frankfurt Stadion Management GmbH in der Commerzbank-Arena dann noch ein Büro ein, vermutlich auch kostenlos. So schaukelt man sich gegenseitig die Bälle und die Trennung von Kirche und Staat muss leider draußen bleiben. Zum Abpfiff  dazu noch ein Bonmot vom Pfarrer Eckert: „Ein Leben ohne Gott ist wie Fußball ohne Ball.“ Oder um es mit Loriot zu sagen: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

* Das Bistum Limburg hat 2015 gut 187 Millionen Euro Kirchensteuern eingenommen. Dem Bistum gehören rund 635 000 Katholiken an. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau verzeichnete Steuereinnahmen von 490 Millionen Euro bei rund 1,6 Millionen Mitgliedern. (Quelle: Frankfurter Rundschau)