Hasenfest 2015: Säkularer Osterspaziergang durch Frankfurt

Hasenfest2015

Tanzverbot an stillen Feiertagen: Ostern ist Schluss mit lustig.

Das hessische Feiertagsgesetz verbietet auch im Jahr 2015 von Gründonnerstagmorgen um 4 Uhr bis Samstagabend um Mitternacht durchgehend alle öffentlichen Veranstaltungen, die „nicht den diesen Feiertagen entsprechenden ernsten Charakter tragen“.

Der IBKA Hessen lud daher im Rahmen der bundesweiten Aktionen zum Hasenfest 2015 an diesem Karfreitag zu einem etwas anderen Osterspaziergang durch Frankfurt ein. Im Mittelpunkt standen Frankfurter Persönlichkeiten, die sich um kritisches Denken, Humanismus und Säkularismus verdient gemacht hatten. Knapp zehn Interessierte folgten dem Aufruf und begaben sich auf säkulare Spurensuche.

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Konfessionslos und trotzdem sozial engagiert: An den OB Ludwig Landmann erinnert eine Gedenktafel.

Start war am ehemaligen Standort des „Schopenhauerhauses“ an der Schönen Aussicht, in dem der religionskritische Philosoph die letzten seiner Frankfurter Jahre gewohnt hatte. Am Mainufer entlang führte die säkulare Route dann über den Eisernen Steg nach Sachsenhausen zum ehemaligen Wohnhaus Ludwig Landmanns. Hier weist eine Tafel auf den wohl berühmtesten Frankfurter Oberbürgermeister hin. Der konfessionslose Politiker, der aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten war, hatte die Entwicklung der Stadt in den 20er-Jahren entscheidend geprägt – unter anderem durch das von ihm initiierte soziale Wohnungsbauprogramm, das unter dem Namen „Neues Frankfurt“ bekannt wurde.

Zurück auf der anderen Mainseite ging es dann zum Karmeliterkloster, in dem der 1600 in Rom als Ketzer verbrannte Giordano Bruno ein Jahr lang während seines Aufenthalts in der Stadt gewohnt hatte. Er war nach Frankfurt gekommen, um seine Schriften, die „Frankfurter Trilogie“ zu veröffentlichen. Ein guter Anlass, um daran zu erinnern, dass auch heute noch in manchen Ländern religionskritische Äußerungen mit dem Tode bestraft werden.

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Brillanter Wissenschaftler und engagierter Humanist: An Otto Hahn erinnert ein Denkmal an der Kleinmarkthalle.

Von dort waren es dann nur wenige Schritte bis zur Paulskirche, dem Geburtsort der deutschen Demokratie. Hier stand die Paulskirchenverfassung im Mittelpunkt, in der erstmals Grundrechte wie Meinungs- und Religionsfreiheit in modernem Sinn formuliert wurden. Weiter ging es zur Kleinmarkthalle, an deren Westeingang ein Denkmal am Ort seines Geburtshauses an den Frankfurter Nobelpreisträger Otto Hahn erinnert. Der Entdecker der Kernspaltung war nicht nur ein brillanter Wissenschaftler, sondern auch ein mutiger Humanist. Während der Nazizeit setzte er sich aktiv für verfolgte Juden ein, später war er ein überzeugter Gegner der atomaren Aufrüstung.

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Die Neue Frankfurter Schule, Keimzelle der Titanic, hat vor Blasphemie nie zurückgeschreckt.

Der säkulare Rundgang endete am Caricatura Museum für Komische Kunst, vor dessen Eingang eine Elch-Statue an die Schriftsteller und Zeicher der „Neuen Frankfurter Schule“ erinnert. Sie gründeten später die Zeitschrift „Titanic“, die von der katholischen Kirche mehrfach wegen Blasphemie verklagt wurde. Mit der Ermahnung an die Teilnehmer, auf dem Nachhauseweg das Tanzen, Lachen und Singen zu vermeiden, endete der erste Säkulare Osterspaziergang.