Schopi meets CDU. Kein Witz. Leider

Schopi-CDU

Wenn Schopi das wüsste …

Klingt ein bisschen nach Satire, ist aber wohl eher ernst gemeint: Unter dem Label „Schopenhauer meets CDU“ möchte die Frankfurter CDU tatsächlich über die Frage diskutieren: „Brauchen wir Religionsunterricht an unseren Schulen?“

Wer nun seinen Schopenhauer einigermaßen aufmerksam gelesen hat, weiß, dass der sich in Sachen religiöser Erziehung ziemlich eindeutig geäußert hat. Aber lassen wir ihn doch am besten selbst zu Wort kommen …

In den „Parerga und Paralipomena II“, Kapitel XV Über Religion, § 174 diskutieren Philalethes und Demopheles über Sinn und Zweck von Religion. Ersterer äußert sich wie folgt:

„Was kann dem ächten philosophischen Streben, dem aufrichtigen Forschen nach Wahrheit, diesem edelsten Beruf edelster Menschheit, mehr im Wege stehn, als jene konventionelle, vom Staate mit dem Monopol belehnte Metaphysik, deren Satzungen jedem Kopfe, in frühester Jugend, eingeprägt werden, so ernstlich, so tief, so fest, daß sie, wenn er nicht von mirakuloser Elasticität ist, unauslöschlich haften, wodurch seiner gesunden Vernunft Ein für alle Mal das Koncept verrückt wird, d.h. seine ohnehin schwache Fähigkeit zum eigenen Denken und unbefangenen Urtheilen, hinsichtlich auf alles damit Zusammenhangende, auf immer gelähmt und verdorben ist.“

Aha, Religion verdirbt das klare Denken. Aber lesen wir weiter:

„Allein die Religionen wenden sich ja eingeständlich nicht an die Ueberzeugung, mit Gründen, sondern an den Glauben, mit Offenbarungen. Zu diesem letzteren ist nun aber die Fähigkeit am stärksten in der Kindheit: daher ist man, vor Allem, darauf bedacht, sich dieses zarten Alters zu bemächtigen. Hiedurch, viel mehr noch, als durch Drohungen und Berichte von Wundern, schlagen die Glaubenslehren Wurzel. Wenn nämlich dem Menschen, in früher Kindheit, gewisse Grundansichten und Lehren mit ungewohnter Feierlichkeit und mit der Miene des höchsten, bis dahin von ihm noch nie gesehenen Ernstes wiederholt vorgetragen werden, dabei die Möglichkeit des Zweifels daran ganz übergangen, oder aber nur berührt wird, um darauf als den ersten Schritt zum ewigen Verderben hinzudeuten; da wird der Eindruck so tief ausfallen, daß, in der Regel, d.h. in fast allen Fällen, der Mensch fast so unfähig seyn wird, an jenen Lehren, wie an seiner eigenen Existenz, zu zweifeln; weshalb dann unter vielen Tausenden kaum Einer die Festigkeit des Geistes besitzen wird, sich ernstlich und aufrichtig zu fragen: ist Das wahr?“

Religion macht den Menschen unfähig, einmal Gelerntes in Frage zu stellen. Doch ohne Zweifel, keine Erkenntnis:

„Ich aber habe einen höheren Gesichtspunkt gefaßt und behalte einen wichtigeren Gegenstand im Auge, nämlich die Fortschritte der Erkenntniß der Wahrheit im Menschengeschlecht. Für diese ist es eine erschreckliche Sache, daß Jedem, wo immer auch er geboren sei, schon in frühester Jugend gewisse Behauptungen eingeprägt werden, unter der Versicherung, daß er, bei Gefahr sein ewiges Heil zu verwirken, sie nie in Zweifel ziehn dürfe; sofern nämlich, als es Behauptungen sind, welche die Grundlage aller unserer übrigen Erkenntnisse betreffen, demzufolge für diese den Gesichtspunkt auf immer feststellen und, falls sie selbst falsch sind, ihn auf immer verrücken: da ferner ihre Folgesätze in das ganze System unserer Erkenntnisse überall eingreifen, wird dann durch sie das gesammte menschliche Wissen durch und durch verfälscht.“

Quelle: http://rz-home.de/~ahipler/kritik/religio1.htm

Schopenhauer hat es klar erkannt: Religionen bauen auf Glauben auf und den erzieht man im Menschen am besten, wenn man diiesen als Kind indoktriniert. Zum Beispiel im Religionsunterricht. Und wer jetzt meint, Religionsunterricht hat doch gar nichts mit Missionieren zu tun, da lernt man heutzutage ganz allgemein etwas über Religionen, sollte mal wieder ins Grundgesetz schauen, denn der von der Verfassung abgesegnete Religionsunterricht ist bekenntnisorientiert, d.h. hier sollen die – vermeintlichen – Glaubens“wahrheiten“ der verschiedenen Bekenntnisse den Schülern vermittelt werden. Alles andere ist Religionskunde und widerspricht dem Sinn des Grundgesetzes.

Wer gern mit der CDU darüber diskutieren möchte:

Wann: Mittwoch, 25. März 2015, 20 Uhr
Wo: Café Bar Schopenhauer, Schopenhauerstr 7, 60316 Frankfurt