Sometimes you have to be your own hero – ein Nachruf auf Ali Awais

Gastbeitrag des HVD Hessen: (c) https://www.hvd-hessen.de/sometimes-you-have-to-be-your-own-hero/

aliAm 9.12.2016 ist unser Mitglied Ali Awais bei einem Verkehrsunfalls verstorben. Ali wurde nur 23 Jahre alt. Wir sind sehr traurig und können es noch immer nicht fassen.

Ali studierte in Pakistan und besuchte im Sommer 2014 eine Summer School in Erfurt an der Universität. Während er sich in Deutschland aufhielt, wurde in seiner Heimat bekannt, dass er Atheist ist und sich immer wieder religionskritisch geäußert hatte. Da ihm daraufhin die Todesstrafe in seinem Heimatland drohte, konnte er nicht zurückkehren. Er wendete sich an den HVD Hessen und bat um Hilfe bei seinem Asylverfahren. Über Alis Geschichte berichtete die FAZ im Mai 2015.

Unser erstes Zusammentreffen ist nun 2 ½ Jahre her. Seitdem ist vieles passiert. Ali verbrachte eine lange Zeit in Osthessen und begann intensiv Deutsch zu lernen. Als Malala Yousafzai den Friedensnobelpreis erhielt, berichtete Ali von seinem Zusammentreffen mit der Pakistanischen Schülerin:

“Ich verstand jetzt die ganze Situation. Freiheit passiert nicht einfach. Freiheit hat ihren Preis. Barbaren werden versuchen uns mit Waffen zum Schweigen zu bringen. Sie werden versuchen uns auf die Knie zu zwingen. Aber manche Menschen werden nie nachgeben. Sie stehen auf für ihre Rechte. Sie bezahlen mit ihrem Blut den Preis und sie werden später Helden genannt. Die Retter eines Landes.”

Ab dem Sommer 2015 lebte Ali wieder in der Nähe von Gießen, wo er auch seine ersten Monate in Hessen verbracht hatte. Dort nahm er regelmäßig an den Treffen des Humanistischen Verbands teil, besuchte unsere Sommerfeste und Science Slams. Auch bei dem Verein an.ge.kommen besuchte er verschiedene Veranstaltungen. Vor allem in den letzten Monaten merkte man deutlich, dass er sich mittlerweile immer mehr einlebte, viele Kontakte knüpfte, Praktika machte und eine Fortsetzung seines Studiums in greifbare Nähe rückte.

Am 9.12.2016 besuchte er den Weihnachtsmarkt in Gießen und traf dort seine Freunde. Auf dem Weg nach Hause ereignete sich der tragische Unfall.

Ali war ein humanistischer Aktivist. Während seiner ersten Wochen in Deutschland schrieb er seine Gedanken in einem Artikel nieder:

“Wir alle sind uns einig, dass wir frei geboren werden. Freiheit ist unser Recht. Es ist unser Recht, dass wir die besten Ideen für diese Welt und für unsere Generation vorschlagen. Es ist unser Recht und unsere Pflicht, diese Welt zu einem besseren Ort zum Leben zu machen und so für andere zu hinterlassen. Es ist unser Recht, anderen auf jede mögliche Weise zu helfen.”

Ali erinnerte uns daran, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, frei zu sein und dass wir alle uns für freiheitliche und humanistische Werte einsetzen müssen:

“Ich kann es nicht warten, dass jemand anderes diesen Schritt für uns macht, für die Welt. Es liegt an uns, dass wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen. Und solange ich lebe, unabhängig davon, ob in Pakistan oder Deutschland. Ich werde den Menschen weiterhin die Wahrheit über Religion und Fakten erzählen. Ich werde ihnen sagen, dass sie Menschen sind und nichts weiter. Meine Freiheit ist mein Recht. Es ist jedermanns Recht, frei zu denken.”

Ali fehlt uns sehr.

Wir laden alle Freunde und Bekannte von Ali ein, am 29.12.2016 an der Trauerfeier teilzunehmen. Sie findet um 14 Uhr in den Räumen von an.ge.kommen e.V. in der Rödgener Straße 72 in 35394 Gießen statt.